Morgenpost Online: Können Sie sich an die Zeit erinnern, als vor 50 Jahren der Laser erfunden wurde?

Theodor Hänsch: Ja, das war eine Neuigkeit, die auch in den Zeitungen stand. Als der erste Laser gebaut wurde, war ich noch im Gymnasium. Ich habe diese Nachricht damals aber nicht so ernst genommen, denn ich wollte ja Kernphysiker werden und habe den Laser zunächst für eine Spielerei gehalten.

Morgenpost Online: Doch Laser haben in Ihrer Karriere eine große Rolle gespielt?

Hänsch: 1964 kam ich zum ersten Mal mit einem Laser in Berührung. Das war in Heidelberg am Lehrstuhl für Angewandte Physik. Dort hatte Professor Christoph Schmelzer ein Jahr zuvor eine Laser-Gruppe eingerichtet. Die hatten es geschafft, einen eigenen Helium-Neon-Laser zu bauen. Fertig von der Stange gab es ja noch keine Laser zu kaufen. Man musste alles selber machen - ein Glasrohr blasen, dieses mit geeignetem Gas füllen und halbdurchlässige Spiegel durch Bedampfen herstellen. Als ich damals den roten Strahl des Helium-Neon-Lasers sah, hat mich dieses Licht sofort fasziniert. Spontan entschloss ich mich, meine Diplomarbeit auf dem Gebiet der Laserphysik zu machen. Seitdem bin ich ihr treu geblieben.

Morgenpost Online: Die Erfindung des Lasers hat also dazu geführt, dass Sie nicht Kernphysiker geworden sind?

Hänsch: Das kann man so sagen.

Morgenpost Online: Was sind für Sie die spannendsten Anwendungen des Lasers im Alltag?

Hänsch: Eine herausragende Anwendung ist natürlich die Übertragung von Daten per Glasfaser. Dadurch wird ja letztlich das weltweite Internet erst möglich. Ich nutze das Internet täglich, und es freut mich, dass es Lasertechnik ist, die da im Hintergrund tätig ist. Einzelne Bauteile von Autos werden heute mithilfe von Laserlicht geschnitten und miteinander verschweißt. Das ist ein Triumph der Lasertechnik. Deutsche Ingenieure haben die Weltmarktführerschaft bei dieser Anwendung von Laserstrahlen ermöglicht. Und dann gibt es natürlich Hunderte trivialer Anwendungen von Laserlicht - vom Scanner im Supermarkt über den Laserdrucker bis hin zum CD-Player.

Morgenpost Online: Was waren Meilensteine in der Geschichte der Lasertechnik?

Hänsch: Zum einen der CO 2 -Laser, der mit einem sehr guten Wirkungsgrad elektrische Energie in Lichtenergie umwandelt. Dieser Lasertyp hat viele industrielle Anwendungen des Lasers erst möglich gemacht. Zum anderen auch die Halbleiterlaser. Die wurden anfangs unterschätzt, heute sind sie unverzichtbar. Sie sind klein, kompakt, sehr effizient und preiswert. Kein DVD-Player und kein Laser-Pointer ohne diese Technik. Sogar in der Industrie spielen Halbleiterlaser heute eine große Rolle.

Morgenpost Online: Welche Eigenschaften des Laserlichts begeistern Sie am meisten?

Hänsch: Die räumlichen Interferenzen, die man sofort sieht, wenn man mit Laserlicht umgeht, sprechen ja direkt die Sinne an. Auch dass man Laserlicht auf einen ganz winzigen Fleck bündeln kann, finde ich faszinierend. Doch das Faszinierendste am Laser ist, dass man seine Eigenschaften in vielfacher Hinsicht kontrollieren und deshalb viele spannendere Experimente mit ihm machen kann.

Morgenpost Online: Welche Eigenschaften des Laserlichtes sind am wenigsten verstanden?

Hänsch: Eigentlich ist Laserlicht etwas Einfaches. Es ist jedenfalls einfacher zu verstehen als das Licht einer Glühbirne.

Morgenpost Online: Benötigt man Laserlicht, um einen sogenannten Quantencomputer zu bauen?

Hänsch: Da teilen sich die Meinungen. Ich selber bin da nicht sehr optimistisch, dass es bald einen Quantencomputer geben wird. Richtig ist, dass man mit Laserlicht Atome auf extrem tiefe Temperaturen abkühlen kann. Und wenn überhaupt, wird man vielleicht Quantencomputer aus solchen ultrakalten Atomen konstruieren.

Morgenpost Online: Kann man Laserlicht einfrieren?

Hänsch: Man kann nicht Licht selber, sondern nur eine per Licht übertragene Botschaft einfrieren. In diesem Sinne sind Hologramme eingefrorenes Licht. Man kann Licht allerdings mithilfe besonderer Materialien ganz langsam machen und fast zum Stillstand bringen. Das würde ich aber nicht als Einfrieren bezeichnen.

Morgenpost Online: Kann ein technisch interessierter Jugendlicher selber einen Laser bauen?

Hänsch: Ja, durchaus. Im Internet gibt es Bastelanleitungen. Am einfachsten zu bauen ist ein Stickstofflaser, bei dem man als Medium einfach gewöhnliche Luft nehmen kann.

Das Interview führte Norbert Lossau