Seti-Projekt

Es ist wieder Geld da für die Außerirdischen

Spender retten den amerikanischen Horchposten für die Suche nach ET. Die amtlichen Wächter von der Nasa wollen nach Kräften helfen – wenn auch nicht direkt finanziell.

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Die Frage, ob auf Planeten in fernen Sternensystemen intelligente Lebewesen wohnen, stößt international auf wachsendes Interesse. Seit 2004 stellen weltweit Hunderttausende ihren privaten Computer in den Dienst des vernetzten Projektes „Seti@home“, mit dem Signale aus dem All näher analysiert werden. Jetzt konnte das Seti-Institut („Suche nach extraterrestrischer Intelligenz“) im kalifornischen Mountain View den Erfolg ihrer Spendenkampagne verkünden.

2553 Sponsoren aus vielen Ländern brachten die Summe von umgerechnet über 150.000 Euro zusammen. So ermöglichen sie dem Institut vorerst den weiteren Betrieb ihres Allen-Teleskops (ATA) nahe San Francisco, mit dem die Seti-Experten den Weltraum nach Radiosignalen abhorchen und prüfen, ob sie womöglich künstlich sein könnten.

Der Betrieb am ATA ruhte seit April, weil der klamme US-Bundesstaat Kalifornien die Zuschüsse strich. Jetzt ist die Arbeit bis zum Jahresende gesichert, und Seti wirbt für weitere Zuwendungen. Prominenteste Finanziers waren der Nasa-Astronaut Bill Anders, der 1968 beim ersten Flug um den Mond dabei war, sowie die Schauspielerin Jodie Foster, die im Hollywood-Thriller „Contact“ Jill Tarter mimte, die ganz reale Chefin des Seti-Instituts, das in dem Film tatsächlich Signale von ET empfing. Die Spender stehen in der Tradition der Computermilliardäre David Packard, William Hewlett und Paul Allen, die seit den 90er-Jahren viele Millionen stifteten.

Zwar stoppte die Nasa 1994 ihre eigene Seti-Arbeit im Zuge anstehender Sparprogramme. Doch dem Thema außerirdischen Lebens widmet sich die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur weiterhin in mehrfacher Hinsicht.

Das Nasa-Institut für „Astrobiologie“ koordiniert die Forschung mehrerer Dutzend Institute in den USA und anderen Staaten, die über die Möglichkeiten und Bedingungen außerirdischer Lebewesen forschen. Auch das starke Engagement der Nasa in der Suche nach fernen erdähnlichen Planeten gehört dazu (nur auf Planeten, so vermutet man, könnten Zivilisationen entstanden sein).

Das Gründungsjahr des Astrobiologie-Instituts, 1998, fiel in die Amtszeit von Nasa-Chef Daniel Goldin (1992–2001). Er war bekannt dafür, dass ihn das Thema elektrisierte, das damals zusätzlich Auftrieb bekam, weil durch neuartige Beobachtungsmethoden 1995 erstmals ein Planet in einem anderen Sonnensystem nachgewiesen werden konnte und bis heute 553 als „entdeckt“ gelten.

Ebenfalls seit den 90er-Jahren überlässt die Raumfahrtagentur auf ihrem weitläufigen Gelände „Moffett Field“ ganz in der Nähe von Mountain View ausgedehnte Räumlichkeiten der Gruppe „Contact“ für deren Tagungen. Dabei handelt es sich um eine lockere Gruppe von Intellektuellen, Autoren, Naturwissenschaftlern und Enthusiasten, die durchaus vergnügt, aber mit wissenschaftlichem Tiefgang regelmäßig über Chancen, Risiken und Modalitäten für den Fall debattieren, dass ET und seine Freunde tatsächlich zu uns kommen sollten oder sich zumindest mal melden.

Die Chancen dafür hat Frank Drake, Astrophysiker und einer der Seti-Pioniere, vor 50 Jahren auf einer Konferenz am Greenbank-Observatorium nahe Washington ausgelotet, mithilfe seiner inzwischen legendären „Drake-Gleichung“: Die Variablen bilden die Anzahl der Sternensysteme in unserer Galaxie, ihrer Planeten, davon wiederum der bewohnbaren, die geschätzte Lebensdauer von Zivilisationen und ähnliche Daten; als Ergebnis ergibt sich daraus die Anzahl intelligenter Lebensgemeinschaften im All.

Weil aber die Daten für die Variablen noch weitgehend unbekannt sind, gibt es auch noch kein Ergebnis. Immerhin: Die Konferenz einigte sich damals auf eine Schätzung zwischen einer Zivilisation und vier Millionen.

Um den USA bei der Vorbereitung auf mögliche Bündnisse mit Außerirdischen (die nach Überwindung von für uns unüberwindbaren Distanzen zwischen den Sonnensystemen zwangsläufig weit fortgeschritten sein müssten) keinen Vorsprung zu gewähren, legte auch die Sowjetunion 1964 ein Suchprogramm auf. Es startete am Byurakan-Observatorium in Armenien, unweit vom Berg Ararat übrigens, wo der Überlieferung nach einst Noah der Menschheit die zweite Chance eröffnet haben soll.

1977 war es dann auch tatsächlich – fast – so weit. Im Rahmen des Seti-Projektes „Big Ear“ (Großes Ohr) empfing der Astrophysiker Jerry Ehman am Teleskop der Universität von Ohio ein Radiosignal, dessen Frequenz und Intensität dem Forscher unnatürlich vorkamen, eben künstlich. Es ging als „Wow“-Signal in die Seti-Geschichte ein, und noch heute streiten sich die Experten über den Ursprung des Ereignisses, das nach Einschätzung vieler eigentlich nur gezielt von einer fernen Antenne ausgesandt worden sein könne.

Da es sich nicht wiederholte, wird es ein Rätsel bleiben, und alle weiteren Spekulationen sind müßig. Müßig, so sehen es allerdings viele Kritiker, seien die Seti-Bemühungen insgesamt. Die Entfernung zum nächsten Exoplaneten beträgt etwa 100 Billionen Kilometer. Ein schnelles Raumfahrzeug bräuchte dafür eineinhalb Millionen Jahre. Ein Radiosignal könnte die Distanz zwar in zehn Jahren überwinden. Doch viel zu erwarten ist da nicht. Der „Nachbar“ ist ein Gasplanet.