An der Berliner Charité steht seit Dienstag eines der modernsten Strahlengeräte zur Bekämpfung von Tumoren bereit. Die neue Waffe im Kampf gegen Krebs heißt CyberKnife. Sie besteht aus einem robotergesteuerten Linearbeschleuniger und ist an ein präzises Bildführungssystem gekoppelt. Pro Jahr sollen zwischen 400 und 600 Patienten in Berlin von der neuen Methode profitieren.

Neben Gehirntumoren ist es nun auch möglich, in Wirbelsäule, Leber oder Niere gezielt zu bestrahlen. Auch Metastasen sollen auf diese Weise therapiert werden. „Entscheidend ist Lage und Größe des Tumors, im Gehirn darf er nicht größer als drei, in der Prostata nicht größer als vier Zentimeter sein“, sagte Markus Kufeld. Er hat das Zentrum in den vergangenen sechs Monaten am Virchow-Klinikum mit aufgebaut. Der Neurochirurg arbeitete für mehrere Monate am Europäischen CyberKnife Zentrum in München. Dort wurden bereits mehr als 3000 Tumorpatienten mit dieser Methode behandelt. Schmerzfrei und kurz sei die neue Therapie. „Sie kann eine Gehirnoperation ersetzen“, sagte Kufeld.

Während einer gewöhnlichen Strahlenbehandlung müssen die Patienten sich einer mehrwöchigen Therapie unterziehen. Mit CyberKnife wird nur einmal bestrahlt, was in aller Regel zwischen 20 Minuten und einer Stunde dauert. Der Tumor wird mit einer sehr hohen Dosis bestrahlt und unmittelbar zerstört.

Fünf Millionen Euro investierte die Charité in das neue Zentrum, vier davon zahlte das Uniklinikum für das hoch spezialisierte Gerät, das unter anderem von amerikanischen Wissenschaftlern aus Stanford entwickelt wurde.

Am neuen CyberKnife-Zentrum arbeiten Radioonkologen und Neurochirurgen eng zusammen. „Tumore werden durch Röntgenstrahlen verbrannt“, sagte Volker Budach, Leiter der Charité-Klinik für Strahlentherapie. Neue Medizintechnik ermögliche es, dass der Strahl das befallene Gewebe millimetergenau treffen kann. „Selbst die kleinste Bewegung des Patienten oder des Tumors erkennt das Gerät“, sagte Budach. Wenn der Kranke beispielsweise atmet, wird das nahezu in Echtzeit ermittelt und der Behandlungsstrahl passt sich dem an.

Präzision ist bei der Methode besonders wichtig, denn die Wirkung des Eingriffs ist wesentlich stärker als bei einer üblichen Strahlentherapie. Je genauer sie erfolgt, desto weniger gesundes Gewebe wird geschädigt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die neue Methode auch dazu dienen kann, chirurgisch schwer zugängliche und als inoperabel geltende Tumore zu zerstören.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der an der Eröffnung teilnahm, appellierte an die Krankenkassen, sich an den Kosten zu beteiligen. Diese ist vergleichsweise teurer, sie kostet zwischen 7000 und 10.000 Euro. Die Charité ist das erste Uniklinikum, das sich ein solches Gerät leistet. Drei weitere Geräte stehen in Privatpraxen in Soest, München und Güstrow. Die Unikliniken in Köln und Frankfurt am Main haben angekündigt, ebenfalls solche Geräte anzuschaffen.