Parapsychologie

Rätselhafte Erscheinungen aus dem Jenseits

Geister wandeln angeblich durch die Wohnung, Anrufe scheinen aus dem Jenseits zu kommen – Menschen, die von Spukgeschichten berichten, werden häufig belächelt. Die Bundesweit einzige parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg versucht, den Betroffenen zu helfen.

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Walter von Lucadou, der in Freiburg die einzige Parapsychologische Beratungsstelle Deutschlands leitet, beschäftigt sich mit Spukgeschichten. Mehr als 3000 Hilfesuchende fragen ihn pro Jahr um Rat. Unter den Anrufern seien Schüler genauso wie ältere Menschen, Hausfrauen wie Manager.

Er sei oft der Erste, der die Betroffenen ernst nehme, sagt der Physiker und Psychologe. Jede Geschichte höre er sich unvoreingenommen an, dann fahnde er nach einer logischen Erklärung für scheinbar Unerklärliches. Die ist manchmal schnell gefunden: Kinder zum Beispiel sehen oft Gespenster. „Das Ich-Bewusstsein ist noch nicht so ausgeprägt wie bei Erwachsenen“, sagt von Lucadou. Vor dem sechsten Lebensjahr verschwimmen Fantasie und Realität. Daher sehen Kinder oft Traumgestalten und sprechen mit unsichtbaren Spielkameraden.

In 20 Berufsjahren ist dem „Parapsychologen“ klar geworden: „Geister sind auch nur Menschen“. Eine Familie zum Beispiel schickte ihm ein rätselhaftes Foto, auf dem sie zur Weihnachtszeit einen Spuk eingefangen haben will. Als man das Bild schoss, so beteuert die Familie, hätten die Kerzen des Adventskranzes nicht mehr gebrannt und es sei auch nicht mehr geraucht worden. Der Physiker löst das Rätsel: Mit bloßem Auge war der sich ausdehnende Rauchfaden nicht mehr zu sehen. Das hinderte die Kamera aber nicht daran, ihn aufzuzeichnen.

Doch wie konnte die Familie in dem Qualm ein Wesen erkennen? Dabei handle es sich um reine „Gestaltwahrnehmung“, erklärt der Wissenschaftler. Das menschliche Gehirn suche immer und überall nach Mustern, es könne gar nicht anders. Wer etwa in den Himmel schaue, werde ebenfalls Formen erkennen, Gesichter vielleicht. Viele Spukgeschichten können aufgeklärt werden. Dennoch, räumt er ein, existierten Phänomene, an denen die Naturwissenschaft noch scheitere. Allen Betroffenen empfiehlt er, Ruhe zu bewahren und auf der Hut vor unseriösen Angeboten sein.

Von Lucadou verweist auf den Fall einer von Wutanfällen ihres Sohnes überforderten Mutter, die sich an eine Geistheilerin gewandt habe, die den Jungen vom Teufel besessen glaubte. Nun dringe kein Sozialpädagoge mehr zu der Mutter durch, die eine andere Erklärung nicht mehr akzeptiere.

Okkulten Praktiken sollte man, so der Wissenschaftler, in jedem Fall aus dem Weg gehen, wenn die Anbieter erhebliche Geldsummen verlangen. Etwa jeder zweite Anrufer wolle Informationen zu Esoterik-Fragen, so von Lucadou.