Computersimulation

Anschlag auf das World Trade Center nachgestellt

Der Anschlag auf das World Trade Center hat sich in die Köpfe eingebrannt. Eine Computersimulation zeigt den Einschlag der Boeing 767 in den Nordturm des World Trade Centers so detailliert wie nie zuvor. Sie könnte einige Verschwörungstheorien entkräften.

Foto: Uni

Zur Abwechslung keine neue Verschwörungstheorie, sondern pure Fleißarbeit der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana: Die Wissenschaftler präsentieren eine Computersimulation über die Geschehnisse des 11. September 2001. Damals steuerten Terroristen zwei Passagierflugzeuge ins World Trade Center in New York City und eines in das Pentagon. Ein weiteres mit unbekanntem Anschlagsziel stürzte nahe Pittsburgh in Pennsylvania ab.

Simuliert wurde nun der Absturz der Boeing 767 in den Nordturm des World Trade Centers in New York City. Trotz früherer Computeranimationen rühmt sich die Universität damit, dass diese auf umfassenden wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und daher die physikalischen Eigenschaften des Absturzes am realistischsten darstellt.

Die Simulation beginnt mit dem Anflug der Boeing auf New York City. Der Nordturm des World Trade Centers erscheint. Das Flugzeug durchbohrt das Gebäude, Feuersbrünste schlagen aus der Rückseite. Szenenwechsel: Der Betrachter befindet sich nun während der Katastrophe in dem Gebäude als das Flugzeug die Fassade durchbohrt. Die dritte Szene des Absturzes konzentriert sich auf die Beschädigung der Stahlträger. Nur schemenhaft werden die Fassade und das einschlagende Flugzeug dargestellt.

Jahrelange Aufarbeitung der Daten

In mühevoller Kleinarbeit über mehrere Jahre hinweg entwickelten die Wissenschaftler aus tausend kleinen Quadraten – jedes mit den bestimmten physikalischen Eigenschaften - eine realitätsnahe Kulisse aus Flugzeug und Hochhaus, die ohne den menschlichen Schrecken auskommt. Über 80 Stunden brauchte der Hochleistungscomputer mit 16 Prozessoren allein für die Verarbeitung der Daten des mathematischen Modells in der ersten Sequenz des Absturzes in den Nordturm. Im Labor wurden zusätzlich Getränkedosen auf Stahl- und Betonobjekte geschossen, um die Einschlagskraft des Flugzeugs zu nachzuvollziehen.

Schon 2002 zeigten die Wissenschaftler in einer Computersimulation des Pentagon-Absturzes: Wie stark das Gebäude beim Einsturz beschädigt wird, hängt nicht allein von der äußeren Beschaffenheit und Größe der Boeing ab. Viel entscheidender für das Ausmaß der Katastrophe sind die Masse und Geschwindigkeit des Flugzeuges während des Aufpralls.

Das Gebäude war einsturzgefährdet

Neben der Beschädigung der Träger beim Einschlag, führte auch die brenndend-heiße Flut aus Kerosin zum Einsturz des Gebäudes. Durch die extreme Hitzeentwicklung wurden Teile der Brandschutzverkleidung beschädigt. Die Stahlträger begannen zu schmelzen. Insgesamt wurden von den 47 Stahlträgern im Inneren Gerüst sehr wahrscheinlich elf Träger im 94. Stock, zehn in der 95. Etage und neun im 96. Stock zerstört. „Die Ergebnisse sind gravierend. Sind etwa 25 Prozent der Träger eines Gebäudes beschädigt, ist es bereits einsturzgefährdet“, erklärt Mete Sozen von der Purdue University.

Im Gegensatz dazu sprach der Abschlussbericht des National Institute of Standards and Technology im Jahr 2005 nur von sechs zerstörten und drei beschädigte Säulen.

Entkräftung der Verschwörungstheorien

3000 Menschen starben bei den Anschlägen. Bis heute ranken sich Gerüchte um die Täter und den Tathergang. Verschwörungstheorien über eine Beteiligung der amerikanischen Regierung oder ihre Geheimdienste kursieren bis heute im Internet.

Die Simulation ist online bei YouTube zu finden und könnte zumindest einigen Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln nehmen - besonders denen, die an eine gezielte Sprengung der Türme nach der Flugzeugkollision geglaubt haben.

Voicu Popescu, Informatiker der Purdue University, räumt allerdings ein, dass bestimmte Komponenten in der Simulation nicht berücksichtigt wurden, darunter das Ausmaß der Flammen und Rauchentwicklung nach dem Absturz. Auch lagen keine ausreichenden Daten über den genauen Boeing-Typ 767-200 vor. Basierend auf offiziellen Daten und Informationen der US-Luftfahrtbehörde FEA, wurde das Flugzeugmodell entwickelt.