Archäologie

Jäger der Bronzezeit trug Lederschuhe der Größe 39

Die schmelzenden Eismassen der Gletscher bringen eine Fülle vorgeschichtlicher Artefakte zum Vorschein: Im Norden Norwegens haben Archäologen einen 3400 Jahre alten Lederschuh gefunden. Damit handelt es sich um den ältesten Nachweis von menschlichem Leben im Land.

Foto: sh_rh / dpa

In 2000 Meter Höhe, im Norden Norwegens, in der Gemeinde Lom, entdeckte ein Wanderer im vergangenen Herbst einen alten Schuh aus Leder. Der beschäftigt seitdem die Archäologen.

Zunächst datierten Experten seine Herkunft auf das Mittelalter: Jetzt ist aber sicher, dass er viel älter ist – nämlich 3400 Jahre. Damit stammt er aus der Bronzezeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine in den USA vorgenommene C-14-Datierung einer Probe des Leders. Bei diesem Verfahren kann durch Messung radioaktiver Kohlenstoffatome in der Probe eine Zeitbestimmung von fossilen Materialien durchgeführt werden.

Die 25 Zentimeter langen und aus Rentierleder gefertigten Schuhe entsprechen der Größe 39 und sollen von einem Mann, der aller Wahrscheinlichkeit nach zur Jagd unterwegs war, getragen worden sein. Durch diesen früheren Ursprung gilt der gefundene Schuh nun als ältester Nachweis von menschlichem Leben im Land.

„Die Überraschung, dass er so viel älter ist als angenommen, war für uns groß“, hebt der Archäologe Espen Finstad aus der Provinz Oppland hervor. Der bislang älteste, archäologische Fund in Norwegen – ebenfalls ein Schuh – stammte aus der Zeit zwischen 365 und 295 vor Christus und war in den 50er-Jahren in einem Sumpf in Nordland aufgetaucht. Die Gletscher galten als bevorzugtes Jagdrevier der Frühmenschen, weil sich die Beutetiere, das Ren, gerade im Sommer am liebsten in den kühleren Hochregionen aufhielten.

„Wegen der zurückweichenden Gletscher finden wir in den letzten Jahren eine Fülle vor allem vorgeschichtlicher Artefakte“, erläutert Finstad. Das Leder der Schuhe wurde bis zur Gletscherschmelze durch sie umgebendes Eis konserviert. „Der Schuh muss seit 3400 Jahren kontinuierlich im Eis gelegen haben, denn nachdem er geborgen wurde, befindet er sich bereits deutlich in Auflösung“, beklagt Marianne Vedeler vom kulturhistorischen Museum der Universität Oslo.

Der Schuh sei selbst gefertigt und von sehr einfachem Typ, wie es noch bis ins 16.Jahrhundert hinein gang und gäbe war. Am Ort des jüngsten skandinavischen Fundstücks tauchten weitere verschiedene, gut erhaltene Pfeilschäfte auf und ein Spaten aus Holz.