Das Wasser des Südatlantiks schäumt kurz auf, als die gut viereinhalb Millionen Euro teure Neuerwerbung des Kieler Leibniz-Instituts für marine Geowissenschaften (Geomar) in den Fluten versinkt. Über ein 6500 Meter langes, mit Stahl umhülltes Glasfaserkabel mit dem Forschungsschiff "Maria S. Merian" verbunden, taucht sie in die 5000 Meter tiefen Fluten ab.
Gesteuert von erfahrenen Piloten, erreicht der dreieinhalb Tonnen schwere Tauchroboter ROV 6000 (ROV steht für "Remote Operating Vehicle") nach gut einer Stunde Abstieg schließlich vulkanische Öffnungen am Meeresboden, aus denen heiße Salzlösungen austreten. Der erste Tauchgang des 3,5 Meter langen und 2,4 Meter hohen ROVs fand im Herbst 2007 bei einer Expedition zu den vulkanischen Quellen im Südatlantik statt.
Am heutigen Montag nun wird der Tauchroboter in Gegenwart des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen offiziell dem Kieler Institut übergeben. "Unser ROV hat alle Tests mit Bravour bestanden", sagt Collin Devey, der Leiter des Projekts "Kiel 6000". Besonders stolz sind die Forscher auf die Ausrüstung des Tauchroboters, der in Tiefen von bis zu 6000 Meter vordringen und damit weltweit rund 90 Prozent aller Meeresböden erreichen kann.
Mit dem neuen Seitensichtsonar lassen sich rund 800 Meter breite Streifen des Meeresbodens kartieren und kleinste Strukturen erfassen. Einen optischen Eindruck von den Verhältnissen am Meeresgrund vermittelt die hochauflösende HD-Kamera, die ihre Möglichkeiten bereits im Vorgängermodell, dem Bremer Tauchroboter Quest, demonstrieren konnte. Daten und Bilder werden über Glasfaserkabel zu den Piloten und Forschern im Kontrollraum an Bord des Schiffes geschickt.
"Mit dem ROV 6000 eröffnen sich für uns ganz neue Dimensionen", sagt Devey, "wir können den neuen Tauchroboter nun einsetzen, um Fragen zu globalen Stoffkreisläufen, der Entstehung von mineralischen und biologischen Rohstoffen oder auch der möglichen Deponierung von Kohlendioxid am Meeresboden nachzugehen."




