Insbesondere in Gefangenschaft lassen sich Tiere erfolgreich kreuzen: Beispiele dafür sind Esel und Pferd, Pferd und Zebra sowie auch Tiger und Löwe. Da diese Kreuzungen in der Regel jedoch steril sind, haben Biologen der Hybridisierung in freier Wildbahn wenig Bedeutung zugemessen.
Dass dieses Phänomen im Tierreich gar nicht so selten ist und Hybride vielfach sogar fortpflanzungsfähig sind, ist erst seit rund 15 Jahren ist bekannt. Zoologen gingen bisher davon aus, dass Hybridisierung vor allem bei "niederen Tieren" und evolutionär jungen Arten auftritt.
Frankfurter Biologen haben nun nachgewiesen, dass in allen Tiergruppen hybridisierende Arten vorkommen. Ihre Studie basiert auf der Auswertung einer biologischen Literaturdatenbank, bei der alle Veröffentlichungen zu diesem Thema für den Zeitraum von 1947 bis 2007 zusammengestellt wurden. Insgesamt haben die Forscher 21.972 Publikationen über hybridisierende Tierarten ausgewertet. Ihr Fazit: In allen Tiergruppen kann mit einem bestimmten Anteil von hybridisierenden Arten gerechnet werden. Hybridisierung ist also, wenngleich nicht sehr häufig, doch über das ganze Tierreich verteilt.
In freier Wildbahn sind Hybride jedoch schwer zu identifizieren, denn oft sehen sich die Eltern ähnlich - obwohl es sich um verschiedene Arten handelt - und auch der Nachwuchs ist nicht immer eindeutig als Hybrid zu erkennen. Erst durch den Einsatz molekulargenetischer Methoden konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass es deutlich mehr Hybride gibt, als angenommen.
Klaus Schwenk, der das Forschungsprojekt leitet, erklärt: "Hybridisierung kann die Evolution der Tiere entscheidend beeinflussen. Durch das Vermischen der Genome kann es zur Ausbildung von Genotypen kommen, die unter Umständen besser an die Umweltbedingungen angepasst sind als die der beiden interagierenden Elternarten".
Darüber hinaus könne eine genetische "Brücke" zwischen den Arten entstehen - manifestiert durch Hybride und Kreuzungen zwischen Hybriden und Elternarten - welche den Gen-Fluss zwischen Arten ermöglicht. Das habe man inzwischen bei den unterschiedlichsten Tierarten nachgewiesen, von Insekten über Reptilien bis zu Vögeln und Säugetieren.
Die Ergebnisse der Frankfurter Biologen, sowie die von 15 weiteren Forschergruppen, wurden in einem aktuellen Sonderheft der renommierten Zeitschrift Philosophical Transaction of the Royal Society (Biological Sciences) publiziert.
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