Außerdem haben viele Gewürze Heilkräfte. So hat der in Verruf geratene
Zimt - ebenso wie Ingwer - eine antibakterielle Wirkung und hemmt das Wachstum von Pilzen. „Viele Gewürze, die scharf schmecken, wirken so“, sagt Ritter. Daher sind Speisen in warmen Ländern oft scharf gewürzt.
Generell wirkten fast alle Gewürze appetitanregend und verdauungsfördernd, sagt Ritter. Außerdem hat Anis bekanntlich eine schleim- und krampflösende Wirkung und ist daher oft in Hustensäften enthalten. Vanille sagt man einen fast euphorisierenden Effekt nach der Duftstoff ist nach aid-Angaben chemisch verwandt mit den Sexuallockstoffen (Pheromonen) des Menschen. Auch Kardamom gilt als Aphrodisiakum, also als Scharfmacher, daneben hilft er bei Blähungen. Gewürznelken wirken in hoher Konzentration nicht nur antibakteriell, sondern regelrecht lokalanästhetisch: Ein bekanntes Hausmittel gegen Zahnschmerzen ist, eine Gewürznelke zu zerbeißen.
Allerdings gibt es Menschen, die schon bei einem Lebkuchen einen Juckreiz im Gaumen spüren: Vor allem bei Pollen-Allergikern können bestimmte Gewürze Kreuzreaktionen hervorrufen. Nach Angaben von Anja Baustian von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin haben Menschen, die gegen Sellerie allergisch sind, ein erhöhtes Risiko, auf Doldenblütler wie Anis, Koriander, Kümmel, Kreuzkümmel und Liebstöckel zu reagieren. „Gewürze haben generell ein hohes allergenes Potenzial“, warnt auch aid-Expertin Maschkowski.
Eine ungeahnte Wirkung von Weihnachtsgewürzen beschreibt die Hebamme Ingeborg Stadelmann in ihrem Bestseller „Die Hebammensprechstunde“: Ingwer, Nelke und Zimt können nach ihren Beobachtungen bei Schwangeren Wehen auslösen. Ritter sagt dazu: „Da ist tatsächlich etwas dran.“ Denn manche Pflanzen, darunter Hopfen, Soja und bestimmte Gewürze, enthielten so genannte Phytoöstrogene, die ähnlich wirkten wie die weiblichen Geschlechtshormone Östrogene. Bemerkenswert sei bei diesen Phytoöstrogenen, dass sie schon in sehr niedrigen Konzentrationen wirkten.




