Golf von Mexiko

Mikroben sollen riesige Ölschwade vernichtet haben

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Foto: Centers for Disease Control and Prevention / Centers for Disease Control and Prevention/Wikipedia

Neue Bakterienart im Golf von Mexiko entdeckt: Vieles weist darauf hin, dass die Organismen einen Großteil der Ölschwade zersetzt haben.

Eine neu entdeckte Mikrobenart könnte Forschern zufolge Teile einer riesigen Ölschwade in den Tiefen des Golfs von Mexiko vernichtet haben. Die Mikroorganismen seien offenbar durch die massive Ölpest nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im April angeregt worden, schreiben Forscher der Universität Berkeley im Magazin „Science".

Die Mikroorganismen hätten die Kohlenwasserstoffe so effizient vernichtet, dass die Ölschwade von der Größe Manhattans nun nicht mehr nachweisbar sei. Die sogenannten Proteobakterien könnten Kohlenwasserstoffe schneller als angenommen abbauen, ohne dabei wie die meisten ölzersetzenden Bakterien, den Sauerstoff deutlich zu verringern.

Erst vor einigen Tagen sind Forscher des Woods Hole Oceanographic Institutes zu einem anderen Ergebnis gekommen. Sie stellten keine erhöhte Mikroben-Aktivität fest. Allerdings haben sie, wie normalerweise üblich, die Aktivität der Bakterien anhand des Sauerstoffgehalts im Wasser bestimmt.

Bei der neuen Untersuchung haben die Wissenschaftler das DNS-Material der Mikroben bestimmt. Es hat sich herausgestellt, dass das neu entdeckte Bakterium keinen Sauerstoff benötigt. Insofern konnte es bei der ersten Studie auch nicht nachgewiesen werden.

Geht man von der Zersetzungsgeschwindigkeit der Bakterien in den Proben aus, könnte es sein, dass die Bakterien die Ölschwade in 1100 Meter Tiefe bereits zersetzt haben.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass von den etwa 780 Millionen Litern Rohöl, die nach der Explosion der BP-Bohrinsel ins Meer geflossen sind, nichts mehr übrig ist. Schätzungen der US-Regierung von Anfang August zufolge sind 50 Prozent des Öls aus dem Golf verschwunden. Der Rest baut sich demnach rasch ab.

Indes haben andere Wissenschaftler festgestellt, dass Helfer bei einer Ölkatastrophe im Jahr 2002 in Spanien häufiger an Atemproblemen leiden und ein erhöhtes Krebsrisiko tragen. Die an den Säuberungsarbeiten bei der schlimmsten Ölpest in der Geschichte Spaniens beteiligten Helfer weisen einer Studie zufolge Chromosomen-Veränderungen auf und haben Atemprobleme.

Für die in der US-Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine“ veröffentlichten Studien wurden zwischen September 2004 und Februar 2005 insgesamt 501 Fischer untersucht, die an den Arbeiten nach der Havarie des Tankers „Prestige“ vor der spanischen Küste“ beteiligt waren.

Weitere 177 Fischer, die nicht teilnahmen, wurden ebenfalls begutachtet. Den Ergebnissen der spanischen Forscher zufolge zeigten die Rettungshelfer häufiger Symptome von Atemwegsproblemen sowie „chromosomale Veränderungen der Lymphozyten“, die zu den weißen Blutkörperchen gehören. Durch eine solche Chromosomen-Veränderung tragen diejenigen, die an den Säuberungsarbeiten teilnahmen, der Studie zufolge auch ein erhöhtes Krebsrisiko.

Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass die Rettungsarbeiten „offenbar gesundheitsschädliche Folgen“ hatten, verwiesen indes darauf, dass nicht gesichert sei, dass die Störungen direkt von dem Öl kamen, dem die Helfer ausgesetzt waren.

Daher könne nicht eindeutig auf Konsequenzen anderer Ölkatastrophen geschlossen werden, erklärten die Wissenschaftler mit Blick auf die derzeitige Ölpest im Golf von Mexiko. Gleichwohl forderten sie die Behörden auf, künftig Maßnahmen zu schaffen, um die Gesundheit der Helfer sicherzustellen und sie auch nach einem Einsatz medizinisch zu begleiten.

Der liberianische Tanker „Prestige“ war am 19. November 2002 vor der spanischen Westküste gesunken. Rund 64.000 Tonnen stark schwefelhaltigen Schweröls hatten daraufhin tausende Kilometer Atlantikküste in Spanien, Frankreich und Portugal verpestet. Mehr als 300.000 Helfer waren bei den Säuberungsarbeiten im Einsatz.

( Reuters/AFP/jms )