Nach dem Abschalten der illegalen Plattform Kino.to sind die Filmpiraten jetzt unter kinox.to aktiv. Dort sind wie auf der Vorgängerseite Filme und Serien zu sehen. Zudem richten die Betreiber eine Botschaft direkt an ihre Gegner: „Liebe GVU, Filmindustrie und Staat: Denkt ihr wirklich, ihr könnt uns stoppen, nur weil ihr haufenweise Geld habt? Wie kann es sein, dass harmlose Webseitenbetreiber auf eine Stufe mit Mördern und Vergewaltigern gestellt werden?“

Weiter heißt es: „Was ist aus diesem Land geworden? Wo ist unsere Freiheit hin? Und warum werden solche fanatischen Geldgeier-Organisationen unterstützt vom Staat und Politik? Wir wollen euch nicht. Das Internet will euch nicht. Keiner will euch. Alles was wir wollen ist Freiheit und das für jeden.“ Kinox.to hat derweil offenbar bereits mit einem großen Ansturm zu kämpfen: Sie Seite ließt sich am Dienstag nur schwer öffnen.

Positive Nachrichten für die User der illeagalen Streming-Seite: Die Betreiber scheinen keinerlei Daten der Nutzer zu speichern. So teilten die Webseitenbetreiber mit: "Macht euch keine Sorgen, wir haben nie Daten gespeichert und werden es auch weiterhin nicht tun." Nach den Razzien und der Schließung des illegalen Filmportals zeigten sich viele Nutzer der Seite besorgt, ihre IP-Adressen könnten von den kino.to-Betreibern gespeichert und somit juristisch verwendet werden. Anhand der IP-Adresse eines jeden Computers ist es möglich, den Nutzer bestimmter Daten zurückzuverfolgen.

Razzien gegen kino.to-Betreiber

Die Polizei war Anfang Juni bundesweit gegen die Kino.to-Betreiber vorgegangen. Ihnen werden die Gründung einer kriminellen Vereinigung und gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung in mehr als einer Million Fälle vorgeworfen. Im Rahmen einer europaweiten Razzia gegen illegale Raubkopierer hatten die Ermittler das Streamingportal gekappt. Laut Medienberichten sollen die Betreiber über weitere Filmportale Raubkopien angeboten haben. So soll die Gruppe auch hinter den Internetseiten movie2k.to und neu.to stecken.

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) wirft den Machern von "kino.to" "systematische Verletzungen von Leistungsschutzrechten" vor. Auf ihre Anzeige hin hat die Generalstaatsanwaltschaft Dresden Ermittlungen aufgenommen und jetzt zum Schlag gegen die vermeintlichen Filmpiraten ausgeholt. Unter Leitung der Intergrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) haben Polizei, Steuerfahnder und Datenspezialisten Wohn- und Geschäftsräume in Deutschland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden durchsucht.

Etliche Mitarbeiter wurden festgenommen, Rechner, Geld und Luxusautos beschlagnahmt. Neben der Haupt-Website wurden auch mehrere sogenannte Streamhoster, auf denen die auf den Portalen verlinkten Filmkopien abgelegt sind, vom Netz genommen.

Dem ehemaligen Betreiber der Kino.to-Webseite droht nun eine Anklage wegen Urheberrechtsverletzung, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Laut der Staatsanwaltschaft sind bis zu 15 Jahre Haft möglich.

Bei Filmfans stand "kino.to" hoch im Kurs. Mehr als 10.000 Kinostreifen und 25.000 TV-Serien hatte das Filmportale in seinem Repertoire. Bis zu vier Millionen Klicks erreichten die Seite pro Monat - eine lukrative Quelle für Werbeeinnahmen also. Der Haken an der Sache: Eine Vielzahl der Werke ist verbotenerweise ausgestrahlt worden. Nach Informationen der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) soll kino.to im letzten Jahr rund 14,6 Millionen Euro durch Werbung verdient haben.

Die enge Verflechtung der Plattformen bezeichnet die GVU als "parasitäres Geschäftsmodell". Pikant: Die Hauptniederlassung von "kino.to" liegt auf der Südseeinsel Tonga. Daher stammt auch das Länderkürzel "to".

Die GVU teilte am Dienstag mit Blick auf Kinox.to mit: „Das Auftauchen der Seite ist keineswegs überraschend.“ Dennoch sah sie Erfolge im Kampf gegen die Filmpiraten: „Dass es vergleichsweise lange gedauert hat, bis diese Resteverwertung von kino.to online gestellt wurde, offenbart, wie empfindlich die Aktion der Generalstaatsanwaltschaft Dresden die Szene getroffen hat.“

dapd/BMO/cb