Wenn Wissenschaftler „künstliches Leben“ erschaffen, wie die Schlagzeilen jetzt von Craig Venter berichten, reagieren viele reflexhaft fast wie der legendäre Pawlowsche Hund: Da bastelt einer in frankensteinscher Manier ein Monster zusammen. Es erstehen einmal mehr beängstigende Visionen von Mensch-Tier-Mischwesen oder in diesem Fall von Killerkeimen. Was hier geschieht, ist zwar ein wichtiger Schritt der biologischen Grundlagenforschung, aber es ist kein Durchbruch zu einer entfesselten Wissenschaft, die Gutes will und letztlich Böses schafft und dabei in Hybris und Schöpferfantasien verfällt.

Was der medial geschickte und oft provokative Biochemiker Venter tut, ist die logische Fortsetzung der klassischen Züchtungsmethoden mit neuen genetischen Verfahren. Solches Handeln in Bausch und Bogen zu verdammen, ist ein voraufklärerischer und technikfeindlicher Impuls.

Die Forschung ist Lichtjahre davon entfernt, komplexe Lebewesen zu synthetisieren. Schon die vergleichsweise einfache Aufgabe, tierisches Gewebe so zu verändern, dass es von menschlichen Implantatempfängern nicht abgestoßen wird, ist eine extrem komplizierte Aufgabe, die bisher nicht gelöst ist. Es geht in den kommenden Jahren darum, Einzeller, also einfachste Organismen, beispielsweise dazu zu bringen, effizient einen Ölfilm auf dem Meer oder Dioxin im Boden abzubauen oder aus Bioabfällen Kraftstoff herzustellen.

Gleichwohl muss man anerkennen: Es bleibt ein Restrisiko, dass der jetzige Fortschritt in einer fernen Zukunft für üble Zwecke missbraucht werden könnte, etwa um Gift produzierende Keime zu schaffen. Deshalb muss der Fortgang der Forschung auch kritisch begleitet und beobachtet werden.

Doch so ist es nun mal mit vielen Fortschritten der Forschung: Sie sind janusgesichtig. Die Alternative, technischen Forschung ganz zu vermeiden, können und wollen wir alle nicht akzeptieren. Sonst hätten wir schon den Faustkeil nicht erfinden dürfen.