Psychologie

Friedliche Krieger haben mehr Erfolg bei Frauen

"Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird", lehrt schon Mario Puzo in seinem Roman "Der Pate". Dieses Sprichwort bestätigen jetzt Forscher. Sie untersuchten die Waorani, ein kriegerisches, rachsüchtiges Volk aus Ecuador, das die höchste bekannte Mordrate einer Gesellschaft überhaupt aufweist.

"Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird", lehrt schon Mario Puzo in seinem Roman "Der Pate". Dieses Sprichwort bestätigt jetzt auch Stephen Beckerman von der Pennsylvania State Universität mit seinen neuesten Forschungsergebnissen. Der Anthropologe und seine Kollegen untersuchten die Waorani, ein kriegerisches, rachsüchtiges Volk aus Ecuador, das die höchste bekannte Mordrate einer Gesellschaft überhaupt aufweist.

Anlass für die Befragung waren Erkenntnisse über ein anderes kriegerisches Volk, die Yanomami, die im venezolanisch-brasilianischen Grenzgebiet leben. 1988 fand ein amerikanischer Anthropologe heraus, dass die aggressiven Männer der Yanomami deutlich mehr Frauen und Kinder besaßen als ihre sanftmütigen Brüder.

Die jetzt untersuchten Waorani gelten als noch brutaler als die Yanomami. Blutrache und Vergeltung sind bei ihnen kulturell verwurzelt und an der Tagesordnung. Die Wissenschaftler befragten 121 Männer und Frauen des Stammes nach Überfällen und Mordanschlägen, die ihnen und ihren Ahnen widerfahren sind oder ausgeübt wurden. Und verglichen sie mit ihren Familienverhältnissen.

Die Ergebnisse waren verblüffend: Offensichtlich bringt Aggressivität den Männern der Waorani eher Nach- als Vorteile: Sie bekommen weniger Kinder, und die Familie stirbt insgesamt früher als die der friedlicheren Männer.

Denn während die Yanomami traditionell Verschnaufpausen zwischen ihren Fehden einlegen, in denen sie ihren Kriegsruhm auskosten und Kinder zeugen, gönnen sich die Waorani keine Ruhe. Es lohnt sich also, Vergeltung nur überlegt auszuüben.

( sm )