Der britische Soldatenfriedhof an der Heerstraße im Berliner Stadtteil Charlottenburg sieht aus wie ein umgepflügter Acker. Vor den Grabsteinen türmen sich kleine Berge aufgewühlter Erde. Von dem kurz gehaltenen englischen Rasen ist kaum noch etwas zu sehen. Eine Rotte Wildschweine hat auf dem Gelände gewütet und hohen Sachschaden angerichtet.

Bis zu zehn Zentimeter tief sind die Furchen zwischen den weißen Grabsteinen. „Wir wollten zuerst unseren Augen nicht trauen“, sagt Philippe Fontaine. Der Gärtner schätzt, dass ein Viertel der rund 38.000 Quadratmeter großen Fläche zerstört wurde. „Der Sachschaden wird wohl mehrere 10.000 Euro betragen“.

Auf Friedhöfen darf nicht geschossen werden

Im November vergangenen Jahres hatten die Tiere schon Teile des Friedhofsgeländes umgepflügt. „Sie kamen 14 Nächte hintereinander„, erzählt Fontaine, während er sich auf eine Harke stützt. Daraufhin seien Jäger informiert worden. „Sie dürfen aber nicht auf dem Friedhof schießen“, betont der Gärtner. „Das ist nur in Notfällen gestattet“. Die Tiere sollen nun von dem Friedhof verscheucht werden.

Die Berliner Forsten wollen Wildschweine im Umfeld der Gedenkstätte gezielt jagen. Sie kämen vom nahe gelegenen Grunewald, sagt Förster Marc Franusch. Er schätzt die Zahl der Keiler und Bachen in Berlin „auf deutlich weniger als 8000“. Eine genaue Zahl gebe es nicht. Ihr Bestand könne jedoch bei guten Bedingungen um jährlich 300 Prozent anwachsen. Pro Jahr werden Franusch zufolge im Schnitt rund 1500 Tiere geschossen.

Die Wildschweine ziehe es immer öfter in die Stadt. Sie hätten mit Blick auf gefüllte Abfalleimer und geschützte Grünflächen im Stadtzentrum „ein komfortables Leben an einer reich gedeckten Tafel“, erklärt der Förster und sieht einen Grund dafür bei den Berlinern selbst: „Die Tiere werden zum Teil gefüttert und damit angelockt“. Deshalb komme es immer häufiger zu Schäden in Gärten oder eben auf Friedhöfen.

Um weitere Schäden an dem britischen Soldatenfriedhof zu verhindern, „sind wir zunächst aktiv geworden“, sagt der Gärtner, der zu den insgesamt fünf Landschaftspflegern gehört, die sich im Auftrag der britischen Commonwealth War Graves Commission (CWGC) um die Berliner Kriegsgräberstätte kümmern. Philippe zeigt auf den Zaun, der nun mit zwei Metern Höhe doppelt so hoch ist. Die Wildschweine hätten „vorher locker darüber springen können“.

Die mehrere 10.000 Euro teure Investition zeigt nach Ansicht des Gärtners bereits Wirkung. „Wir haben Spuren vor dem Zaun entdeckt“. Nun müsse noch das Eingangstor abgedichtet werden. Dafür sei ein Architekt beauftragt worden. „Das wird nicht billig, aber es hilft ja nichts“, sagt Philippe.

Die eigentlichen Reparaturarbeiten an dem feinen englischen Rasen können frühestens Ende März beginnen. Mit einer Spezialmaschine soll der aufgewühlte Boden wieder geebnet werden. „Wir benötigen sicherlich 400 Kubikmeter Erde, um die Löcher aufzufüllen“, schätzt der Gärtner.

Auf dem 1957 eingeweihten Soldatenfriedhof befinden sich 3576 Gräber früherer Commonwealth-Streitkräfte, die während der beiden Weltkriege in Deutschland gefallen waren. Neben 2676 Briten sind 527 Kanadier, 223 Australier, 56 Neuseeländer, 50 Inder, 31 Südafrikaner, 5 Polen und 8 Personen unbekannter Nationalität bestattet worden.

dapd/oc