Technologie

Ananas aus Deutschland, Salat vom Mittelmeer

Ein wenig erinnert das "Energy Power Greenhouse" im Dörfchen Wietow bei Wismar an eine halb im Boden Mecklenburg-Vorpommerns vergrabene überdimensionale Tonne. Die hat es mit 6000 Quadratmetern Nutzfläche aber in sich. Solarbetriebene Treibhäuser liefern Wasser, trocknen Holz und Kakao.

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa

Ein wenig erinnert das "Energy Power Greenhouse" (EPG) im Dörfchen Wietow bei Wismar an eine halb im Boden Mecklenburg-Vorpommerns vergrabene überdimensionale Tonne. Wenn nur nicht auf den 6000 Quadratmeter Nutzfläche im Innern zehn Schulturnhallen bequem Platz hätten und die Außenhülle der "Tonne" aus durchsichtigem Kunststoff bestehen würde. "Diese Folie ist mit Teflon beschichtet, lässt 95 Prozent und vor allem das gesamte Spektrum des Sonnenlichtes durch", erklärt der Vorsitzende des "SolarZentrums Mecklenburg-Vorpommern" Ditmar Schmidt.

Für 2,5 Millionen Euro entstand das Gewächshaus als Außenstelle der Bundesgartenschau in Schwerin. Ein paar Zentimeter unter der durchsichtigen Außenhülle bündeln Linsen die Sonnenstrahlen zu Linien aus Licht. Diese fallen auf spezielle Fotozellen, die nicht nur Elektrizität, sondern auch warmes Wasser liefern. Das wird in neun großen Tanks zu je 40.000 Litern unter der Erde gespeichert. An frischen Tagen und in kühlen Nächten heizt das warme Wasser das Gewächshaus. Die ersten Ananas und Bananen hat Ditmar Schmidt bereits geerntet. Dabei ist das Gewächshaus noch gar nicht fertig. So fehlen noch die "Phasenschieber". "Darin soll eine spezielle Flüssigkeit die blauen und grünen Teile der Sonnenstrahlung in rotes Licht umwandeln", so der Ingenieur. Da Pflanzen nur rotes Licht in Biomasse umwandeln, nutzen sie so das Sonnenlicht besser aus.

Das Gewächshaus kann aber auch kühlen. Das ist etwa in den Mittelmeerländern wichtig, wenn man dort im Sommer Salat ernten will. Und da Schmidt vor allem zeigen will, was mit Solarenergie alles geht, erzeugt überschüssiges Warmwasser in einer Absorptionskälteanlage kaltes Wasser.

In ähnlichen Gewächshäusern im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais wird Holz aus Eukalyptusplantagen bei relativ niedrigen Temperaturen zwischen 25 und 55 Grad Celsius getrocknet. Nur so erhält man ein Holz, das in seiner Qualität der Eiche kaum nachsteht. Mittels eines Wärmetauschers und einer Luftbefeuchtung erreicht Markus Bux vom Institut für Agrartechnik in den Tropen und Subtropen der Universität Stuttgart Hohenheim genau dies.

Als Wärmequelle nutzt die einem Gewächshaus ähnelnde Anlage Sonnenlicht. Sie hat keine Glasscheiben, sondern eine durchsichtige, lichtdurchlässige und nach außen isolierende Folie. Zwölf solcher Solarenergie-Trockner wandeln jedes Jahr 35 000 Kubikmeter Eukalyptuswald in hochwertiges Möbelholz um. Der Wald darf statt sechs Jahren für die Gewinnung von Holzkohle jetzt 15 bis 20 Jahre wachsen, die Böden werden daher nicht so schnell ausgelaugt. Es entstanden 180 zusätzliche Jobs im Sägewerk und 500 in der Möbelindustrie.

Ähnlich profitabel sind die Tunneltrockner, die mit Solarenergie in Indonesien Kakaobohnen veredeln. Bisher trockneten die Kleinbauern mit zwei bis vier Kilo Regenwaldholz ein Kilo Kakaobohnen, an denen aber Stücke der bitteren Hülle hängen blieben, sodass der Kakao nicht mehr zu Schokolade verarbeitet werden konnte. Deshalb trennen die schwäbischen Ingenieure die Pulpa mit einer Art Wäscheschleuder ab. Dann heizt die Sonne durch die Noppenfolie des Gewächshauses schwarze Bleche auf. Mit der entstehenden heißen Luft trocknet die Ernte von bis zu 100 Kleinbauern kontrolliert. Es entsteht hochwertiger Kakao für die Schokoladenproduktion.

Markus Bux lehrt längst nur noch nebenberuflich an der Hochschule und führt stattdessen seine Firma Thermo-System, die vor allem Solartrockner für Klärschlamm, Kaminholz oder Holzbretter baut.