Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids hoffen Forscher auf künftige Erfolge durch den Einsatz eines neuen Gels, mit dem Frauen besser vor HIV geschützt werden sollen. Testreihen mit dem Vaginalgel in Südafrika hätten ergeben, dass das Risiko einer Infektion mit dem HI-Virus um 39 Prozent gesenkt werden könne, teilten die Forscher im Rahmen der Welt-Aids-Konferenz in Wien mit. Bei den Frauen, die das Gel am regelmäßigsten angewendet hätten, habe das Risiko sogar um 54 Prozent vermindert werden können.
Vor allem in Afrika sind Frauen die Hauptleidtragenden der Epidemie. Etwa 60 Prozent aller Neuinfektionen mit HIV betreffen dort Frauen und Mädchen, ungeschützter Geschlechtsverkehr ist dabei einer der häufigsten Übertragungswege für das Virus. Das Gel enthält ein antiretrovirales Medikament, das eine Vermehrung der HI-Viren im Körper blockieren soll. Bislang wurde es über einen Zeitraum von drei Jahren getestet. 445 HIV-negative Frauen in Südafrika erhielten dabei das Gel, eine etwa gleichgroße Kontrollgruppe ein Placebo-Präparat.
„Wenn sich ohne dieses Gel zehn Frauen pro Jahr infizieren, könnten es mit dem Gel nur sechs sein“, sagte Salim Abdool Karim, einer der beiden Leiter des Forschungsprojekts in einer Telefonkonferenz. Die Wirksamkeit des Gels muss nun allerdings noch in einer weiteren Testreihe betätigt werden.
UN-Organisationen begrüßen das Testergebnis des Gels als bahnbrechende Entdeckung. „Wir geben Frauen Hoffnung“, sagte der Chef des UN-Aidsprogramms (UNAIDS), Michel Sidibé. Laut UNAIDS gibt es damit erstmals eine Möglichkeit, dass Frauen selbstbestimmt einer HIV-Infektion vorbeugen können. Wenn sich die positiven Resultate bestätigten, könnte dies die Aids-Vorbeugung revolutionieren und den Lauf der Epidemie brechen, sagte Sidibé.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gratulierte den Aidsforschern im südafrikanischen Durban. Wenn sich ein solches Gel als sicher und wirksam bestätigen sollte, werde die WHO alles dafür tun, damit es bald hergestellt werde, erklärte WHO-Direktorin Margaret Chan.
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind weltweit etwa 33,4 Millionen Menschen mit HIV infiziert, in Deutschland sind es rund 67.000. Mehr als zwei Drittel aller Aids-Infizierten leben in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Allein im Jahr 2008 starben zwei Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit. Insgesamt gab es seit Ausbruch der Epidemie Anfang der 80er Jahre weltweit 25 Millionen Aids-Tote. In der österreichischen Hauptstadt Wien tagen im Rahmen der 18. Welt-Aids-Konferenz bis Freitag Forscher, Ärzte, Politiker und Vertreter von Organisationen.





