Suchtforschung

Hälfte aller Schüler in Großstädten kifft

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Die Konsumenten von Cannabis werden immer jünger: Das Einstiegsalter liegt derzeit bei 14 und 15 Jahren. Aber auch Elf- und zwölfjährige Kiffer sind keine Seltenheit mehr. Experten warnen vor gravierenden Entwicklungsstörungen: Dauerkonsum kann zum Beispiel dazu führen, dass 22-Jährige den Entwicklungsstand von 16-Jährigen haben.

Fast die Hälfte aller Schüler in großen deutschen Städten hat nach Angaben von Suchtforschern Erfahrung mit Cannabis. Fünf Prozent der Jugendlichen seien sogar abhängig von Marihuana oder Haschisch, sagte der Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), Prof. Rainer Thomasius, zum Auftakt einer Expertentagung in Hamburg. Bedenklich sei auch, dass die Cannabiskonsumenten immer jünger würden.

Das Einstiegsalter liege heute zwischen 14 und 15 Jahren, aber auch elf- und zwölfjährige Kiffer seien längst keine Seltenheit mehr. Dabei sei Cannabis heute wegen seines bis zu 20 Prozent hohen THC- Gehalts (Tetrahydrocannabinol) deutlich gefährlicher als vor 20 Jahren. Auch sei längst erwiesen, dass Marihuana nicht nur psychisch abhängig mache, sondern auch physisch, meinte der Neurobiologe Prof. Hans Rommelspacher vom Berliner Universitätsklinikum Charité.

Wie problematisch Kiffen vor allem in der Pubertät sei, belegten neuere Untersuchungen. Dabei gehe es sowohl um psychische Erkrankungen als auch um gravierende Entwicklungsstörungen. Langjähriger Cannabismissbrauch könne dazu führen, dass 22-Jährige den Entwicklungsstand von 16-Jährigen hätten. Allerdings sind nach den Worten von Thomasius nur rund zehn Prozent der Cannabiskonsumenten wirklich in Gefahr, bleibende Schäden davonzutragen. 90 Prozent der jungen Kiffer hörten zwischen 20 und 22 Jahren damit auf oder schränkten ihren Konsum erheblich ein.

Gründe für den erschreckend hohen Cannabiskonsum unter Jugendlichen seien vor allem die leichte Verfügbarkeit, aber auch der Gruppendruck, meinte der Hamburger Gesundheitsstaatsrat Dietrich Wersich. Wenn die Hälfte der Klasse kiffe, sei es schwer, sich fernzuhalten. Hier setze gezielte Vorbeugung an. Allerdings wisse man immer noch zu wenig darüber, wie Sucht bei Kindern und Jugendlichen entstehe. Auch deshalb sei das Deutsche Zentrum für Suchtfragen mit seiner Forschung und Konzeptentwicklung ein wichtiger Baustein des Leitbildes „Drogenfreie Kindheit und Jugend“.

( dpa/oc )