Ein bemannter Flug zum Mars ist billiger und auch sicherer als eine Landung von Menschen auf dem Mond. Das erklärte jetzt Pascal Lee vom Ames Research Center der Nasa in Moffett Field in Kalifornien. Lee bezog sich allerdings nicht auf eine Landung auf dem Roten Planeten selbst, sondern auf einem seiner beiden kleinen kartoffelähnlichen Monde Deimos (Griechisch: Schrecken) und Phobos (Angst).

Diese wenige Kilometer großen Marsbegleiter „sind die am leichtesten zugänglichen Himmelskörper unseres Sonnensystems“, sagt der Wissenschaftler auf der ersten Internationalen Konferenz zur Erforschung von Phobos und Deimos. „Selbst wenn es unserer Vorstellung nicht entspricht und kontraintuitiv ist, aber für eine Robotermission sind sie sogar wesentlich leichter erreichbar als der Erdenmond“, sagt Pascal Lee.

Lee begründete seine Aussage mit dem Hinweis, dass die Marsmonde wegen ihrer realtiven Winzigkeit – Phobos erreicht eine Länge von etwa 25 Kilometern, der kleinere Marsmond Deimos bringt es auf 15 Kilometer – fast keine Anziehungskraft haben. Sie liege höchstens bei einem Tausendstel der irdischen Gravitationskraft, während es unser Nachtgestirn Mars immerhin noch auf ein Sechstel der irdischen Schwerkraft bringt.

Die Landung auf einem der Marsmonde wäre also ohne aufwendige Rückstoßraketen und zusätzliche Kosten für Tonnen von Treibstoff zu absolvieren, wie sie für bemannte Landungen auf dem Erdenmond nötig sind. Sie wären vielmehr so problemlos zu bewerkstelligen wie das Zusammenkoppeln zweier Raumfahrzeuge auf der Erdumlaufbahn.

Diese Vorteile würden sich auch bei bemannten Flügen zu den Marsmonden zeigen, meinte Lee. Die Kostenschätzungen für einen bemannten Vorstoß zum Planeten selbst würden zwar variieren. Doch einschließlich der jahrzehntelangen Forschungen und Vorarbeiten müsse man für eine Landung von Menschen auf dem roten Planeten Mars wohl mit 200 bis 300 Milliarden Dollar rechnen.

Zumindest diese Größenordnung scheint zu stimmen, hat doch die Nasa selbst für ein mehrjähriges bemanntes Marsflugprogramm vor einer Reihe von Jahren schon einen Kostenvoranschlag von etwa 500 Milliarden Dollar errechnet – und das angedachte Programm daraufhin schnell in tiefen Schubladen versenkt. Dagegen, so der Wissenschaftler Fred Singer auf der dreitägigen Konferenz in Moffett Field, wäre eine Landung von Astronauten auf einem der beiden Marsmonde für nur etwa 30 Milliarden US-Dollar zu bewerkstelligen.

Vorerst aber werden die Russen die Monde des Mars ansteuern. Ihre ehrgeizige Mission „Grunt“ soll 2009 starten. Dabei soll von einem unbemannten Roboter Materie des Marsmondes Phobos aufgeklaubt und zur wissenschaftlichen Analyse zur Erde transportiert werden. Man könnte dabei feststellen, so hieß es in Moffett Field, ob es auf Phobos Wasser oder Wasserstoff gibt, das später von Astronauten genutzt werden könnte.

Er würde vorschlagen, so Lee, dass man nach der „Grunt“-Mission den größeren der beiden Marsmonde, Phobos, zum Ziel der ersten bemannten Landung mache. Allerdings wurde auf der Konferenz in Kalifornien auch darauf hingewiesen, dass die Gefahren einer Marsreise, die etwa zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen würde, keineswegs nur in den Risiken der Landung liegen. So würde etwa die kosmische Strahlung das Risiko der Astronauten, früher oder später an Krebs zu sterben, um fünf Prozent erhöhen, meinte Marcello Vazquez vom Biomedical Research Institute in Houston (Texas).