Verhaltensforschung

Der Mensch ist fair – nicht egoistisch

Jeder denkt doch nur an sich! Das ist eine verbreitete Ansicht. Stimmt nicht, sagt der experimentelle Ökonom Ernst Fehr von der Universität Zürich: Der Mensch sei vielmehr auf Fairness und Gegenseitigkeit bedacht.

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Mithilfe von Verhaltensexperimenten und Hirn-Scans konnte Fehrs Forschungsgruppe von Psychologen und Neurobiologen beweisen: Der Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Gerechtigkeit. Die meisten teilen mit anderen, selbst wenn es ihnen Nachteile bringt. Sie kooperieren mit Fremden, weil sie einen Gemeinsinn haben. Sie reagieren auf empfundenes Unrecht mit Wut. Und als gerecht erlebte Strafen belohnt ihr Gehirn mit Glücksgefühlen.

Um das mächtige Verlangen nach Gerechtigkeit zu kanalisieren, sei es zu einer gemeinsamen Entwicklung von Gerechtigkeitssinn mit moralischen Institutionen wie Ältestenrat und Justizsystemen gekommen, so Fehr in der Oktoberausgabe von „Geo“.

Komplexe Wirtschaftssysteme und Gesellschaften, in denen Millionen von Menschen kooperieren, seien ohne gemeinsame Vorstellungen von Gerechtigkeit nicht denkbar. Der egoistische Mensch wäre schon am Tauschhandel in der Jungsteinzeit, vor 10.000 Jahren gescheitert.