Studie

Batterietechnik bremst erneuerbare Energien aus

| Lesedauer: 4 Minuten

Foto: picture-alliance / Sueddeutsche / picture-alliance / Sueddeutsche/Heddergott, Andreas

Eine neue Studie zeigt: Solar-, Wasser- und Windkraftanlagen allein können den Strombedarf kaum decken. Ein Ausstieg aus der Kernenergie scheint fraglich.

Elektrizität ist der Schlüssel zu einem nachhaltigen und klimaverträglichen Energiesystem. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), in der hierzulande rund 58.000 Physiker organisiert sind. Ausgangspunkt der Arbeit ist das Ziel, den Ausstoß von Kohlendioxid "drastisch zu reduzieren". Wenn dies nicht gelinge, so prophezeit DPG-Präsident Professor Wolfgang Sandner im Vorwort zur Studie, "werden sich gravierende globale Veränderungen ergeben". Besonders die Naturwissenschaften seien deshalb gefordert, nach "effizienten Lösungen" zu suchen.

Bislang beträgt der Anteil elektrischer Energie in Deutschland circa 22 Prozent des Endenergieverbrauchs. Die Physiker schätzen, dass der Stromverbrauch jährlich um ein bis 1,4 Prozent steigen und deshalb an umweltpolitischer Bedeutung gewinnen werde. Eine naheliegende Schlussfolgerung ist dann natürlich, vorhandene Einsparpotenziale besser zu nutzen. Den Ersatz der Glühbirnen durch Energiesparlampen bezeichnen die Physiker dabei allerdings als "energetisch relativ unbedeutend".

Deutlich mehr bringt der Austausch energieineffizienter Haushaltsgeräte (etwa Kühlschränke und Waschmaschinen) sowie die Reduzierung von Energieverlusten durch den Stand-by-Betrieb elektronischer Geräte. Grundsätzlich sei es energiepolitisch wesentlich zweckmäßiger, nicht bestimmte technologische Lösungen vorzuschreiben, sondern allgemeine Anreize für tatsächlich nachweisbare Energieeinsparungen zu geben – beispielsweise über einen vom Verbrauch abhängigen Stromtarif.

Bei einer von Physikern vorgelegten Studie zur Zukunft der Energie darf man natürlich besonders darauf gespannt sein, in welchem Licht die Nutzung der Kernenergie erscheint. Ein deutliches Plädoyer für die Kernenergie sucht man in dem Papier vergeblich. "Die Nutzung der Kernenergie ist eine politische Frage", heißt es da zweifelsohne richtig. Natürlich weiß auch die DPG, wie kontrovers dieses heiße Thema hierzulande diskutiert wird.

Eine Sympathie für Kernenergie kann man dennoch zwischen den Zeilen lesen: "Kernenergie könnte in Deutschland zumindest in den nächsten beiden Jahrzehnten einen wesentlichen Beitrag zu einer kohlendioxidarmen Stromversorgung leisten. Jenseits fachlicher Aspekte dieser Studie spielt die politische Abwägung zwischen Erreichen der Klimaschutzziele und den Risiken der Kernenergie eine Rolle."

Im Klartext kann das ja wohl nur heißen: Liebe Politiker, ihr müsst euch entscheiden, ob ihr das Klima schützen oder die Nutzung der Kernenergie zurückfahren wollt. Die Verantwortung für diese Entscheidung tragt ihr, nicht wir.

Die Studie stellt auch die Potenziale der verschiedenen erneuerbaren Energien dar. Am schlechtesten schneidet dabei die Nutzung der Solarenergie ab. "Fotovoltaik ist von allen erneuerbaren Energiesystemen noch am weitesten von Wettbewerbsfähigkeit entfernt", schreiben die Experten der DPG. 2008 betrug der Anteil der Fotovoltaik an der Stromerzeugung in Deutschland nur 0,7 Prozent. Auch von der Wasserkraft können wir uns hierzulande nicht viel erhoffen. Sie trägt mit rund 3,5 Prozent zur Stromerzeugung bei, doch "eine nennenswerte weitere Steigerung der Kapazität kann nicht erwartet werden".

Und wie sieht es mit dem Strom aus Windkraftanlagen aus? Diese liefern hierzulande bereits mehr als sechs Prozent der elektrischen Energie. Die Physiker betonen jedoch die Problematik unvorhersehbarer Windschwankungen. Je mehr Windräder zur Stromversorgung herangezogen werden, umso mehr konventionelle Kraftwerke müssen auch vorgehalten werden, die im Falle einer Flaute einspringen können – vorausgesetzt, dass man die heutigen Standards in puncto Versorgungssicherheit erhalten will. Nach den Berechnungen der DPG-Experten müsste eine Kapazität von mindestens 90 Prozent der Netzhöchstlast in Schattenkraftwerken einsatzbereit stehen. Jeder kann sich dann selber klarmachen, was eine solche Parallelwirtschaft ökonomisch bedeuten würde.

Mit intelligenten Stromnetzen ("Smart Grid"), das verschweigen die Physiker nicht, ließe sich die notwendige Reservekapazität voraussichtlich reduzieren. Gleichwohl stellen sie fest: "Die mit dem Smart Grid beabsichtigte Steuerung des Verbrauchs in Abhängigkeit vom Stromangebot wird möglicherweise hilfreich sein, aber sie wird allein das Problem quantitativ nicht lösen können." Helfen würden hier nur neue Speichertechnologien, die elektrische Energie gleichsam auf Halde legen könnten.

Doch neue Pumpspeicherkraftwerke sind in Deutschland illusorisch, und die Batterietechnik ist dafür noch nicht ausgereift und viel zu teuer. Aus dem gleichen Grund erwarten die DPG-Physiker einen Durchbruch für Elektrofahrzeuge frühestens in 20 Jahren. Doch es gebe keine Garantie dafür, dass bis dahin wirklich hinreichend leistungsfähige und bezahlbare Batterien zur Verfügung stehen werden.