Hirnforschung

Forscher entdecken Linkshänder-Gen

Linkshänder sind ein wissenschaftliches Rätsel: Einer Studie zufolge sind sie besonders häufig unter den Hochbegabten zu finden. Doch irgendeinen evolutionären Sinn muss es geben, warum es mehr Rechts- als Linkshänder gibt. Nun haben britische Forscher das erste Gen für Händigkeit gefunden.

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Einen Zusammenhang mit den Genen vermuten Forscher schon länger, doch die entsprechenden Studien beruhen meist auf Statistiken zur Vererbung von Linkshändigkeit. Forscher der Universität Oxford melden nun, dass sie das erste Gen für Händigkeit entdeckt haben. Nach Angaben der BBC wollen sie ihre Ergebnisse im Fachblatt „Molecular Psychiatry“ veröffentlichen.

Das Gen LRRTM1 kontrolliert offenbar, welche Hirnregionen welche Aufgaben übernehmen. Damit ist es ein Kandidat für Links- und Rechtshändigkeit, denn die beruht darauf, dass die beiden Gehirnhälften unterschiedlich arbeiten.

Johanna Barbara Sattler von der ersten deutschen Beratungsstelle für Linkshänder in München erklärt: „Die jeweils gegenüberliegende Gehirnhälfte ist motorisch dominant.“ Bei Rechtshändern ist also die linke Hirnhälfte die stärkere, während bei Linkshändern die rechte Hirnhälfte dominiert. Damit arbeiten Links- und Rechtshändergehirne unterschiedlich.

Während bei Tieren die Händigkeiten annähernd gleich verteilt sind, schätzt Sattler den Anteil linkshändiger Menschen nur auf 15 bis 20 Prozent. „Es ist bisher nicht klar, warum die Anteile so ungleich sind“, meint sie.

Eine Theorie besage, dass links und rechts noch in der Steinzeit etwa gleich häufig gewesen seien. Möglicherweise, so spekuliert sie, habe die Entwicklung der Sprache dazu geführt, dass heute bei so vielen Menschen die linke Hirnhälfte dominant sei. Ebenso gut könne aber auch das zunehmende räumliche Verständnis eine Rolle gespielt haben. „Irgendeinen evolutionären Grund muss es haben, dass es so viele Rechtshänder gibt“, sagt sie, „aber welcher das ist, ist völlig unbekannt.“

keywordsAls Minderheit haben Linkshänder seit jeher mit Vorurteilen zu kämpfen. Noch vor wenigen Jahrzehnten glaubte man, sie seien langsamer und ungeschickter als Rechtshänder. „Bis Mitte der 80er Jahre wurden fast alle Linkshänder umgeschult“, erzählt Sattler. Die Folgen: Unleserlichkeit oder Probleme, sich auszudrücken; viele umgeschulte Linkshänder haben zusätzlich psychische Probleme.

Inzwischen gelten Linkshänder oft als kreativer. Tatsächlich gibt es eine Studie, die unter den Hochbegabten besonders viele Linkshänder gefunden haben will. Allerdings ist auch die Quote unter den Minderbegabten höher – statistisch ist also kein Unterschied zwischen Links- und Rechtshändern feststellbar. Sattler rät zur Skepsis mit solchen Studien. Schließlich seien bis vor kurzem fast alle Linkshänder umgeschult worden. „Wenn also in bestimmten Berufen Linkshänder besonders häufig sind, muss das nicht an der Händigkeit liegen“, erklärt sie. „Es ist ebenso gut möglich, dass diese Menschen die Effekte der Umschulung kompensieren und deshalb einen bestimmten Beruf ergreifen.“