Das Land Liliput scheint in der Uckermark zu liegen - wer Zuchenberg bei Angermünde besucht, wird diesen Eindruck nicht los. Dort stehen Kühe auf der Weide, die kaum größer als einen Meter sind. Ein ausgewachsener Bulle der Rasse Dexter ist gerade mal hüfthoch. Daneben wirkt selbst der untersetzte Züchter der Minikühe Andreas Grunewald mit seinen 1,70 Meter, seinem Schnauzbart und dünnem Haupthaar wie der Riese in Jonathan Swifts Märchen „Gullivers Reisen“.

„Kühe messen 1,05 Meter. Die Bullen können es schon mal auf 1,11 Meter bringen“, beschreibt der 46-Jährige seine schwarzen, braunen und roten Rinder in Kofferraumformat. „Die kleinen Biester sehen zwar wie Kälber aus, können aber mit großen Kühen locker mithalten.“ Mit 2000 bis 2500 Litern Milch im Jahr liefern sie zwar höchstens halb so viel Milch wie ihre hochbeinigen Artgenossen - sie sind aber auch nur halb so groß. Das Fleisch sei zart und feinfaserig, dass es auf der Zunge zergehe.

Insgesamt hält der Fuhrunternehmer eine Herde von 35 Dexterkühen - in Ökohaltung, wie er betont. Vor sieben Jahren hat sich Grunewald diese Tiere als Hobby zugelegt. „Andere sammeln Briefmarken, ich stehe auf Mini. Neben meiner kleinen Frau habe ich noch bretonische Minischafe und eben die possierlichen Dexterrinder.“ Brandenburgweit ist Andreas Grunewald der einzige Züchter, der Minikühe hält und regelmäßig nachzieht. „Die Nachfrage nach Jungtieren ist so groß, dass ich lange Vorbestellzeiten habe“, sagt er.

Ursprünglich stammen die kleinen Rinder aus Irland. „Dort galten sie als die Kühe des kleinen Mannes, weil die Tiere anspruchslos in Futter und Haltung sind“, erklärt Mathias Bichmann vom Rasseverband Dexter Deutschland in Kiel. Maximal brächten die Wiederkäuer 350 Kilogramm auf die Waage, mit eineinhalb Jahren sei ein Bulle schlachtreif.

„In den 70er Jahren sind die Kühe von der Insel nach Schleswig-Holstein gekommen. Heute gibt es deutschlandweit rund 70 Dexter-Züchter mit rund 400 Mutterkühen“, berichtet Bichmann. Andreas Grunewald ist beim Rasseverband bestens bekannt. „So wie der Uckermärker Kollege halten alle Züchter bei uns ihre Tiere nur zum Hobby“, setzt Bichmann fort.

Auch der Nachwuchs sei kein Problem, sagt Grunewald. Mit 24 bis 27 Monaten können die Minikühe Kälber bekommen. Die Nachzucht sei das eigentliche Geschäft: Ein Kalb ist so teuer wie zwei ausgewachsene Milchrinder zusammen. „Rund 2500 Euro kann ein gesundes Dexter-Kalb bringen“, berichtet Bichmann.

Der 46-jährige Zuchenberger will sein Hobby in fünf bis sechs Jahren zum Beruf machen. „Neben einem Schlüsseldienst hatte ich schon mal eine Detektei. Jetzt betreibe ich ein Fuhrunternehmen. Das mit den Minikühen macht aber definitiv am meisten Spaß“, hebt Grunewald hervor. Wenn der Biotrend weiter anhalte, wolle er ganz umsatteln. Dann möchte er sein Geschäft in Polen groß aufziehen. „Dort gibt es noch viele Kleinbauern, die noch einen Hektar für Tierhaltung übrig haben, gerade ideal für die Dexterhaltung.“ Grunewald ist sicher, mit den kleinen Kühen das große Geschäft zu machen.

dpa/oc