Epidemien

Gefährlichen Viren und Bakterien auf der Spur

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Sophie Mongalvy

Foto: le_htf_rf / dpa

Fünf Experten sorgen im Krisenzentrum der EU für Seuchen dafür, dass Epidemien schnell erkannt und gebannt werden. Sie durchkämmen das Internet, schauen Nachrichten aus alle Welt. Im Frühjahr zeigte sich, wie nützlich die Wächter über Viren und Bakterien sind.

An der Wand hängen riesige Bildschirme, auf denen Weltnachrichten laufen. Fünf Uhren zeigen die Zeit in Atlanta, London, Moskau, Tokio und die Ortszeit hier in Stockholm. Poster erinnern daran, was im Alarmfall zu tun ist. Fünf Experten überwachen im neuen EU-Krisenzentrum Gefahren für die Gesundheit der Menschen in Europa. Egal ob Vogelgrippe, Tuberkulose oder Chikungunya-Fieber, die vier Männer aus Spanien, Frankreich, Belgien und Italien sowie eine Portugiesin sind bereit, im Ernstfall Alarm zu schlagen. Dazu durchkämmen sie das Internet nach Hinweisen auf den Ausbruch einer Krankheit. Im Moment herrscht Ruhe: „Alarmstufe null“.

Noch ist das Krisenzentrum nicht offiziell eröffnet. Es ist Teil des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), einer EU-Behörde, die ihren Sitz ebenfalls in Stockholm hat. 150 Angestellte aus fast allen Mitgliedsstaaten arbeiten seit 2005 hier, um den Schutz vor Infektionskrankheiten zu verbessern. „Die Hauptaufgabe des ECDC ist es, Bedrohungen zu erkennen, auszuwerten und den Politikern wissenschaftliche Ratschläge zu geben. Und natürlich, die Länder der Europäischen Union auf Epidemien vorzubereiten“, sagt Zsuzsanna Jakab, die ungarische Chefin der Behörde. Gibt es Hinweise auf eine Gefahr, setzt sich das ECDC sofort mit den betroffenen Ländern in Verbindung, die sich dann um das weitere Vorgehen kümmern.

Wie nützlich die Behörde in Stockholm sein kann, stellte sie im Frühling dieses Jahres unter Beweis. Die USA warnten vor einem Touristen aus den Vereinigten Staaten, der an Tuberkulose erkrankt war und durch Europa reiste. Eine Ansteckung könne tödlich sein, da der Bakterienstamm gegen Antibiotika resistent sei. Die Warnung stellte sich schließlich als unbegründet heraus, doch das Warnsystem in Stockholm funktionierte. Binnen 24 Stunden hatte das Krisenzentrum alle Flugpassagiere ausfindig gemacht, die Kontakt zu dem Infizierten gehabt haben könnten und sich dringend untersuchen lassen mussten.

„Angesichts der Schwere dieser Krankheitsform musste man sich um alle Passagiere kümmern“, erinnert sich ECDC-Mitarbeiter Denis Coulombier. Ein Problem bei solch einem Gesundheitsalarm sei es, die 27 EU-Länder plus Norwegen, Island und Liechtenstein zur Zusammenarbeit zu bringen. „Das Schwierige ist, für alle Länder die gleiche Herangehensweise zu schaffen, obwohl sie unterschiedliche Gesundheitssysteme und Ansprechpartner haben und unterschiedlich stark zentralisiert sind.“

In einem kürzlich verfassten Bericht benannte die ECDC die größten Bedrohungen für die Gesundheit der Menschen in Europa. Dazu gehörten Infektionen in Krankenhäusern und Mikroben, die gegen Antibiotika resistent sind, erläutert die Behördenleiterin Jakab. „Pro Jahr stecken sich drei Millionen Menschen in der EU in einer Klinik an, das bedeutet, dass jeder zehnte Patient infiziert wird. 50.000 von ihnen sterben daran.“ Ein weiteres Problem sei die zu häufige Anwendung von Antibiotika. „In manchen Ländern sind Antibiotika immer noch frei verkäuflich“, sagt Jakab. „Wir müssen sicherstellen, dass das aufhört. Denn es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Einnahme und den sich entwickelnden Resistenzen.“