Weitgehend ungeklärt ist, welche Rolle das "männliche" Hormon Testosteron hier bei den Weibchen spielt. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie konnten zeigen, dass Grillkuckucksweibchen in bestimmten Gehirnbereichen mehr Testosteron bindende Rezeptoren ausbilden als die Männchen. So könnten auch geringe Mengen an Testosteron zur Steuerung aggressiver und territorialer Verhaltensweisen bei Arten mit vertauschten Geschlechterrollen beitragen, spekulieren die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Journals Developmental Neurobiology.

Ein Rollentausch der Geschlechter kommt im Tierreich eher selten vor. Normalerweise ist es Aufgabe des Männchens, um die Partnerin zu werben, ein Revier zu suchen und es gegen Rivalen zu verteidigen. Die Weibchen kümmern sich in erster Linie um die Brutpflege - mit mehr oder weniger Unterstützung durch den Partner. Bei den meisten Wirbeltieren ziehen sie die Jungen tatsächlich alleine groß. Bei weniger als einem Prozent aller Vogelarten kommt es zu einem Rollentausch: Hier sind es die Weibchen, die aggressiv Territorien verteidigen und um Männchen konkurrieren. Der afrikanische Grillkuckuck gehört zu diesen seltenen Vertretern. Während der Regenzeit entwickeln seine Weibchen ein prachtvolles Brutgefieder und etablieren sich in großen Territorien, deren Besitz sie durch anhaltenden Gesang verkünden. Und auch sonst verhalten sie sich wie ein echter "Macho": Konkurrentinnen werden vehement vertrieben, Männchen jedoch sind willkommen - je mehr desto besser. Jedes Weibchen paart sich mit bis zu drei Männchen.

Ganz im Gegensatz zu unserem heimischen Kuckuck sind Grillkuckucke aber keine Brutparasiten. Ein jedes Männchen baut sein eigenes Nest, in das das Weibchen drei bis sieben Eier legt. Damit ist die Brutfürsorge der Mutter aber auch schon beendet. "Die Eier werden allein vom Vater ausgebrütet und nur er versorgt die hilflosen Jungen während ihrer zwei Wochen andauernden Nest-Zeit und auch noch einige Wochen danach mit Nahrung", beschreibt Wolfgang Goymann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie die fürsorglichen Grillkuckuck-Väter. Währenddessen legt das Weibchen weitere Eier für eines ihrer anderen Männchen oder versucht, noch weitere Männchen zu gewinnen. Klassische Polyandrie heißt der Fachbegriff für dieses Paarungssystem.