Die Wiederansiedlung von Lachsen im Rhein ist auch 22 Jahre nach Beginn einer millionenschweren Förderung kein Selbstläufer. „Es gibt noch keine stabile Population“, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR), Anne Schulte-Wülwer-Leidig.

Die Qualität des Gewässers sei zwar stark verbessert worden, es gehe aber weiter darum, Barrieren wie Staustufen für die Fische passierbar zu machen. Immerhin wandert der Lachs heute dank sogenannter Fischpässe wieder von der Nordsee bis nach Straßburg. Ohne menschliche Hilfe und Besatz kann er aber noch nicht auskommen.

In den vergangenen fünf Jahren wurden nach Angaben der Kommission etwa elf Millionen junge Lachse im Einzugsgebiet des Rheins ausgesetzt, ein Großteil davon stammt bereits von den zum Laichen zurückkehrenden erwachsenen Lachsen. Seit dem Start des Langzeitprojekts für den Wanderfisch 1988 seien mehr als 6000 sogenannte rückkehrende Lachse im Rhein und seinen Nebengewässern gezählt worden, bilanzierte Schulte-Wülwer-Leidig. Die Gesamtzahl liegt wohl deutlich höher. „Vom Doppelten kann man da auf jeden Fall ausgehen.“

Erst „Lachs 2000“ genannt, heißt das Projekt der Rheinanrainer nach der Jahrtausendwende nun „Lachs 2020“. Die Kosten beliefen sich laut IKSR bis 2007 auf 50 Millionen Euro, bis 2027 werde gar mit Ausgaben von 480 Millionen Euro gerechnet. Der immense Anstieg der Kosten hänge mit einer neuen rechtlichen Verpflichtung im Rahmen der EU-Wasserrichtlinie zusammen, etwa beim Bau von Schleusen Ausgleichsmaßnahmen vorzunehmen, erläuterte Biologin Schulte-Wülwer- Leidig. Dazu zähle beispielsweise der Bau von Fischtreppen.

Der Lachs legt von allen Wanderfischen im Rhein die weitesten Wege zurück. Von seiner Kinderstube in den Nebenflüssen schwimmt er bis in den Nordatlantik und Jahre später zum Laichen wieder zurück. „Er ist unser Symbolfisch“, sagte Schulte-Wülwer-Leidig mit Blick auf die allgemeinen Bemühungen um eine bessere Wasserqualität beim Rhein.

Früher galt der Fluss als größter und wichtigster Lachsfluss Europas. Dann verwandelte er sich in einen Abwasserkanal von Industrie und Anwohnern. Ende der 1950er Jahre starb der Lachs im Rhein aus. Zwanzig Jahre danach stieg die Zahl der Kläranlagen am Strom und mit ihr auch wieder die Wasserqualität.

Schulte-Wülwer-Leidig gibt sich jedoch keinen Illusionen hin: „Den Ursprungszustand werden wir nicht mehr erreichen. Der Lachs war der „Brotfisch“ der Fischerei im 19. Jahrhundert.“ Heute werde der Fluss stark von Industrie und Binnenschifffahrt genutzt, zudem sei auch die Struktur der Nebengewässer stark verändert worden. „Neckar, Main und Mosel sind reine Staustufenketten.“

So bleibt noch viel zu tun für die Wiedereinbürgerung des Lachses. Nächste Schritte sind nach Angaben der IKSR mit Sitz in Koblenz die Öffnung eines zweiten Fischwanderweges am Haringvliet in den Niederlanden. Das sei jedoch aus Kostengründen im Moment in dem Nachbarland umstritten. Auch am Oberrhein bei Straßburg und Gerstheim im Elsass sollen nun bald zwei Pässe geöffnet werden, um das Elz- Dreisam-Flusssystem in Baden-Württemberg zugänglich zu machen.

dpa/oc