Mittlerweile vermuten Forscher Leben auch in den überfrorenen Ozeanen des Jupitermondes Europa. Auf dem Saturnmond Enceladus spricht ebenfalls einiges für die Existenz flüssigen Wassers – und das ohne Zutun der Sonne.
Wenn der Energie spendende zentrale Stern gar nicht benötigt wird – warum dann nicht die Grenze der Lebensfreundlichkeit in unserem Sonnensystem weiter hinausschieben bis jenseits der Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun?, fragt Chris McKay vom Nasa Ames Research Center in Mountain View (Kalifornien).
„Die gängige Theorie ist, dass das Leben als Resultat chemischer Reaktionen entstanden ist, an denen heißes Wasser und Schwefel beteiligt waren“, so der Astrophysiker. Licht sei nicht zwingend nötig, wie bestimmte Ökosysteme auf der Erde belegten. Die biologische Basis von Mehrzellern in solchen Nischen sind der Wasserstoff und der Sauerstoff des Ozeans, aus dem sie Methan und Kohlendioxid produzieren. „Warum sollte ein solches Ökosystem nicht auch weiter draußen im Sonnensystem existieren?“, fragt McKay.
Jenseits der Umlaufbahn Neptuns ziehen die Kleinplaneten des Kuipergürtels ihre Bahnen. Pluto, Sedna und Eris sind eisbedeckte Welten, kleiner als die acht Planeten. Vom Kuipergürtel aus betrachtet, ist die warme Sonne nur ein kleiner Stern am Himmel, sie scheidet als Energiequelle aus. Die Natur dort draußen bietet jedoch zwei Möglichkeiten sonnenunabhängiger Energiezufuhr.
Energie und Wärme ohne Sonne
„Das ist einerseits Gezeitenwärme“, sagt Hauke Hussmann vom Institut für Planetenwissenschaft in Berlin. Diese Wärmequelle sei im Kuipergürtel denkbar, weil die Objekte zum Teil Monde hätten. Deren gegenseitige Anziehung sorgt für Gezeitenkräfte.
„Das bewirkt Verformungen der Monde und damit Reibungswärme“, so der Planetologe. Besonders das Pluto-Charon-System sei interessant: Die vereiste Oberfläche Plutos wird durch die Anziehungskraft seines Begleiters Charon durchgeknetet – eine nicht abreißende Energiezufuhr, die Ozeane unter Plutos Eisschicht zum Schmelzen bringen könnte.
Ein anderes Modell verzichtet sogar auf die Existenz von Monden und greift für den notwendigen Energienachschub auf den inneren Aufbau der Himmelskörper zurück: auf den radioaktiven Zerfall im Gestein. Für Monde sowie die Planeten Erde, Merkur, Venus und Mars ist der radioaktive Zerfall die Hauptwärmequelle im Inneren.
Mit der US-Sonde „New Horizons“ wollen die Forscher mehr erfahren. 2015 soll sie Pluto erreichen und sich dann zum Kuipergürtel aufmachen. Anhand der erfassten Daten hoffen die Planetologen dann zu wissen, wie wahrscheinlich Wasser am Rand unseres Sonnensystems ist. „Die größten Objekte wie Pluto und Eris könnten durchaus Ozeane haben“, glaubt Hauke Hussmann. „Wenn Wasser vorhanden ist, kann man darüber nachdenken, ob dort eine Form von Leben existieren kann.“





