Am Mittwoch Abend diskutierten in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ fünf Energie-Experten – von Sigmar Gabriel über Jürgen Trittin bis Ranga Yogeshwar – das heiße Thema Glühbirnenverbot. Alle fünf Disputanten legten einmütig ein Bekenntnis zur so genannten Energiesparlampe ab, die unbestritten bei gleicher Helligkeit sehr viel weniger Strom verbraucht als eine Glühbirne. Doch die kritischen Fragen, die sich beim Thema Energiesparlampe stellen, spielten in diesem Gespräch praktisch keine Rolle. Schade, Herr Plasberg.
So schafften es die Teilnehmer tatsächlich, das Wort Quecksilber nicht ein einziges Mal zu verwenden. Erst eine Zuschauerfrage sprach diesen wichtigen Umwelt- und Gesundheitsaspekt an. Ja, Energiesparlampen enthalten das hochgiftige Schwermetall Quecksilber und deshalb, das merkte Ranga dann ganz richtig an, gehörten diese Lampen auf jeden Fall in den Sondermüll.
Die Lebenserfahrung zeigt indes, dass ein großer Teil dieser Lampen – aus Bequemlichkeit und Unwissenheit – im normalen Hausmüll landen werden, wenn man an dieser Stelle nicht intelligent gegensteuert. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Jürgen Trittin, der sich seinerzeit für die Einführung eines Pfands auf Einweg-Plastikflaschen stark gemacht hat, ein Pfand auf Energiesparlampen fordern würde. Damit würde der Umwelt gewiss mehr Gutes angetan als durch das fleißige Einsammeln der Plastikflaschen. Die werden nämlich anschließend ganz normal in Müllverbrennungsanlagen entsorgt. Nichts anderes würde passieren, wenn man sie gleich in den Hausmüll wirft. Bei den Energiesparlampen könnte man aber tatsächlich das gefährliche Quecksilber und andere Schwermetalle daran hindern, in die Biosphäre zu gelangen. Bei zum Beispiel fünf Euro Pfand, würden die meisten Energiesparlampen ganz sicher als Sondermüll entsorgt. Doch keiner der Disputanten hatte diese an sich naheliegende Idee.
Was die Kernfrage des Energiesparens betrifft, wird die Glühbirne offensichtlich zum Symbol allen Übels stilisiert. Weil man gleichsam dieser klassichen Lichtquelle alle Schuld zuweist, fällt es leichter, andere kritische Fragen auszublenden. Betrachten wir mal ein Wohnzimer, so wie es vor zehn Jahren der Standard war. Beleuchtet wurde es von einer Glühbirne und der Fernseher, um den sich die Familie versammelte, war ein Röhrengerät. Heute erhellt eine Energiesparlampe das Zimmer und ferngesehen wird mit einem ultramodernen Flachbildschirm. In welchem Szenario wird mehr Energie verbraucht? Die Einsparung durch die Energiesparlampe wird durch den drastischen Energiemehrverbrauch des Flachbildschirms überkompensiert. Doch eine Diskussion über Flachbildschirme findet nicht statt. Sie sind innovativ, toll, modern und damit gleichsam als Stand der Technik gesetzt. Wird bei der Glühbirne also ein Scheingefecht geführt, damit wir beim Filmgucken kein schlechtes Energiegewissen haben brauchen? Ebenso ist es nach wie vor relativ ruhig um das Themas Stand-by-Schaltungen. Sie verschwenden völlig unnütz Energie, hierzulande im Umfang zweier großer Kraftwerke. Wo bleibt denn hier ein Verbot, das die Glühbirnen so unnachsichtig trifft?
Der schlechten Effizienz von Glühbirnen kann man immerhin noch einen positiven Aspekt abgewinnen. Die 95 Prozent der Energie, die nicht in Licht umgewandelt werden, sind ja nicht unbedingt immer verloren. Zumindest im Winter tragen diese 95 Prozent Energie, die sofort in Wärme umgewandelt werden ja zur Raumheizung bei. Das bedeutet: durch den Einsatz von Glühbirnen kann der Verbrauch der Zentralheizung ein klein wenig verringert werden. Das mag auf den ersten Blick lächerlich klingen, doch kann es ökologisch durchaus sinnvoll sein. Was machen wir denn im Winter mit überschüssigen Strom aus Windkraftanlagen? Der lässt sich prima via Glühbirnen zum Heizen von Wohnungen verwenden. Wenn dadurch der Verbrauch von Öl und Gas ein Stück weit verrinert werden kann, ist dies klimapolitisch durchaus eine vernünftige Sache.
Unverständlich und von der Plasberg-Runde nicht angesprochen, ist die Frage nach der Rationalität des Verbrauchers beim Kauf von Energiesparlampen versus Glühbirnen. Sigmar Gabriel rechnete vor, dass man durch den Kauf einer vier Euro teueren Energiesparlampe 73 Euro einsparen kann. Da stellt sich die Frage, warum der auf Schnäppchen konditionierte mündige Bürger an dieser Stelle nicht ganz von alleine den Wechsel zur Energiespartechnik wählt. Warum bedarf es hier der doch sehr drastischen Maßnahme eines Verbots, wenn doch die Fakten angeblich so eindeutig sind? Ahnt der homo oeconomicus möglicherweise einen Schwindel?
Energiesparen ist richtig und wichtig. Doch die Fokussierung in dieser Frage auf die Glühbirne ist nicht fair, nur unbillig hart. Eine Extra-Energiesteuer auf elektrische Geräte, die mehr Strom verbrauchen als nötig, wäre die intelligentere Lösung. Eine angemessene Steuer auf jede verkaufte Glühbirne, aber eben auch auf Geräte mit Stand-By-Schaltungen und stromfressende Flachbildschirme würde vom Verbraucher wahrscheinlich als ehrlicher und sinnvoller empfunden als das das punktuelle Verbot der Glühbirne. Wenn dann noch das ökologisch dringend angeratende Pfand auf Energiesparlampen käme, hätte man insgesamt vernünfige Rahmenbedingungen, die dann dem Verbraucher die freie Entscheidung lassen – ohne Verbote.





