Tests mit Buschhähern, einem nur 90 Gramm schweren Rabenvogel, stellen jetzt ein wichtiges Dogma der Kognitionsforschung infrage. „Bis jetzt dachte man, dass Tiere, anders als Menschen, ausschließlich im Jetzt leben und dass es für sie weder Vergangenheit noch Zukunft gibt“, schreibt Nicky Clayton von der University of Cambridge in „Current Biology“.

Doch jetzt hat die Verhaltensforscherin bewiesen: Buschhäher sind spielend in der Lage zur mentalen Zeitreise. Für ihre Tests machte Clayton sich die Eigenart der Häher zunutze, ihre Nahrung zu vergraben. „Wir lassen die Vögel leicht verderbliche Larven verstecken, die sie am liebsten mögen, zusätzlich haltbare Erdnüsse, die ihnen nicht schmecken“, schreibt Clayton. Dürfen die Tiere schon nach kurzer Zeit ihr Futter wieder ausgraben, suchen sie nach den fetten Larven. Nach langer Zeit sind diese allerdings verdorben – also suchen die Tiere vor allem nach Erdnüssen. Die Nüsse vergraben sie auch, wenn sie sich auf eine längere Hungerperiode einstellen müssen.

„Vögel erinnern sich an das Was, Wo und Wann von Ereignissen in der Vergangenheit und interpretieren sie für die Zukunft“, sagt Clayton. Diese Fertigkeit entwickle sich bei Kindern erst ab einem Alter von vier Jahren.

eb