Grossbritannien ist zwar Mitglied der europäischen Weltraumagentur Esa, stellt jedoch keine Astronauten und beteiligt sich nicht an der Internationalen Raumstation (ISS). Doch die Briten sind derzeit dabei umzudenken und haben in den letzten Wochen einige bemannte und unbemannte Konzepte präsentiert, die sie im europäischen Rahmen verwirklichen möchten. Neben zwei britischen Modulen für die ISS gehört dazu auch Europas erstes Weltraumflugzeug – eine vollautomatische, wiederverwendbare Mischung aus Rakete und Flugzeug, die bereits im nächsten Jahrzehnt abheben könnte.


„Skylon“ ist der Name dieses einstufigen Fluggeräts. Mit speziellem Antrieb fliegt es ins All, setzt seine Nutzlast aus und kehrt zurück zur Erde. Das Prinzip ähnelt somit dem der amerikanischen Raumfähren, nur soll „Skylon“ billiger und sicherer sein. Es fliegt automatisch, ohne Piloten, nur von Computern gesteuert. „Baut man ein Lebenserhaltungssystem ein, könnten damit aber auch Astronauten starten“, so Richard Varvill, der technische Direktor der britischen Raumfahrtfirma Reaction Engines in Abingdon (Grafschaft Oxfordshire), die das Konzept entworfen hat.


„Skylon“ ist ein Flugzeug, das in den Weltraum fliegt. So simpel diese Beschreibung und so alt diese Idee schon ist, hat dennoch bislang niemand ein einstufiges Raumschiff gebaut. „Sänger“ aus Deutschland und „Hotol“ aus Großbritannien waren die (nicht realisierten) Urahnen von „Skylon“, dessen Idee immerhin auch schon aus den 1990er-Jahren stammt und seitdem modernisiert und verbessert wurde. „Skylon“ wäre nach wie vor das erste und einzige Raumschiff, das als Ganzes in den Weltraum fliegen und zurückkehren würde, ohne Abwurf und Verlust irgendwelcher Raketenstufen oder Tanks

Möglich wird das dadurch, dass „Skylons“ Triebwerke „luftatmend“ sind: Sie beziehen den Sauerstoff für die Verbrennung des mitgeführten Treibmittels Wasserstoff aus der Luft. So ist das Raumschiff leichter und braucht weniger Tanks – die nach der Entleerung als Ballast abgestoßen werden müssten. Erst ab einer Höhe von 26 Kilometern muss es auf mitgeführten Sauerstoff zugreifen.


Äußerlich ist „Skylon“ ein längliches Vehikel mit kurzen Flügeln. So sollen heikle Stellen durch Überhitzung beim Wiedereintritt in die Atmosphäre möglichst vermieden werden. Das Gefährt ist 80 Meter lang, aber nur sechs Meter breit. Es könnte automatisch operieren: starten wie ein Flugzeug, in einer Höhe von knapp 30 Kilometern seinen Raketenantrieb einschalten und damit bis auf etwa 400 Kilometer und in eine Erdumlaufbahn fliegen. Dorthin kann es zwölf Tonnen Nutzlast mitnehmen – oder auch sechzig Passagiere.


Auf der unteren Ebene sollen Gepäck, Sauerstoffversorgung und weitere technische Hardware untergebracht werden. In der Etage darüber befinden sich die Sitze für die Passagiere, Toiletten und anderer Kabinenbedarf. Soll „Skylon“ Touristen befördern, wird dieses Modul in die Ladebucht eingebaut, andernfalls fliegt es gar nicht erst mit. „Wir sind sicher, dass man auch mit einem vollautomatischen Vehikel, ohne Piloten, Menschen sicher in den Weltraum fliegen kann“, glaubt Alan Bond, der Chef der Firma Reaction Engines.


Sollte sich „Skylon“ innerhalb Europas Weltraumagentur Esa durchsetzen, gäbe es für dieses Raumschiff mehrere Verwendungsmöglichkeiten: Es könnte unbemannt Lasten in den Erdorbit transportieren, zahlende Weltraumtouristen um die Erde befördern oder es könnte der Startschuss sein für einen eigenen europäischen bemannten Zugang ins All.