Nach dem Zwischenfall in der Uranreicherungsanlage Gronau geht es dem betroffenen Mitarbeiter den Umständen entsprechend gut. Die behandelnden Ärzte bezeichneten seinen Gesundheitszustand sogar als „sehr gut“. „Von dem Mann geht keine Strahlung aus“, sagte der Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Münster, Otmar Schober. Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine Frühschäden erkennbar, die in den ersten 48 Stunden nach einem solchen Unfall auftreten können. Zur Vorsorge sei dem Mann ein Cortisonspray verabreicht worden, um eventuellen Lungenschäden vorzubeugen.

Aktuell befinde sich der Mann zur weiteren Beobachtung auf der Station der Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums. Bei dieser Station handele es sich um einen Kontrollbereich mit beschränktem Zugang. Neben den Fachmedizinern seien auch Radiochemiker und Medizinphysiker der Klinik in die Betreuung eingebunden. Proben etwa von Blut, Speichel und Urin seien zur Auswertung in das regionale Strahlenschutzzentrum in Jülich geschickt worden. Ergebnisse sollten noch im Laufe des Tages vorliegen.

Angaben zu möglichen Spätschäden könnten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gemacht werden. „Generell kann es beim Einatmen von ätzenden Substanzen zu Schädigungen der Lunge, der Leber oder der Nieren kommen. Im aktuellen Fall ist es allerdings für eine solche Prognose noch zu früh“, sagte Schober.

Bei dem Zwischenfall in der Urananreicherungsanlage Gronau war der Mitarbeiter erhöhter Strahlung ausgesetzt worden. Wie eine Sprecherin des Betreibers sagte, bestand für die Anwohner der Anlage keine Gefahr. Bei dem Vorfall in der Behältervorbereitung seien radioaktive Stoffe freigesetzt worden.

Über Uran und die Anlage

Uran ist der Ausgangsstoff für Kernenergie. Bevor jedoch aus Uran Energie erzeugt werden kann, sind diverse Arbeitsschritte notwendig. Das in der Natur vorkommende Uran enthält nur zu etwa 0,7 Prozent die Atomsorte (Isotop) Uran-235, die in Kernkraftwerken gespalten wird. Der Rest ist das nicht spaltbare Uran-238. Der natürliche Anteil an Uran-235 reicht für Energiezwecke nicht aus. Daher wird die Konzentration von den 0,7 Prozent auf bis zu fünf Prozent erhöht. Dieser Vorgang wird als Urananreicherung bezeichnet.

Als Nebenprodukt entsteht bei dem Vorgang auch abgereichertes Uranhexafluorid. Dieses Material, das Verarbeiter als Wertstoff und Kernkraftgegner als Atommüll bezeichnen, geht unter anderem nach Russland zur Weiterverwendung.

Die bundesweit einzige Anlage für die Urananreicherung steht im nordrhein-westfälischen Gronau. Betreiber der Anlage ist die Urenco Deutschland GmbH. Die Urenco-Gruppe betreibt in Europa drei Anlagen zur Anreicherung von Uran – im britischen Capenhurst, im niederländischen Almelo und in Gronau. Anteilseigner der Holding- Gesellschaft Urenco Ltd. sind zu gleichen Teilen der britische und der niederländische Staat sowie die Energiekonzerne RWE und E.ON.

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