In einem Innenhof des CIA-Hauptquartiers in Langley (US-Bundesstaat Virginia) steht eine Skulptur: „Kryptos“ (Foto hier ), eine große, gebogene Kupferplatte, in die Buchstaben eingestanzt sind. Der Künstler Jim Sanborn hat die Skulptur geschaffen, die 1990 in Langley aufgestellt wurde und seitdem Code-Knacker aus der ganzen Welt, man muss es so sagen, geradezu magisch anzieht. Zum Jubiläum - vor 20 Jahren wurde die Skulptur in Langley aufgestellt - hat Bildhauer Sanborn sich entschlossen, bei der Lösung der hochkomplexen Denksportaufgabe etwas Hilfestellung zu geben. Mit Berlin.
Die Skulptur hat vier Felder mit verschlüsselten Texten. Davon wurden drei bis 1999 entziffert – beim vierten aber hapert’s. Darum hat Jim Sanborn den „Kryptos“-Besessenen in aller Welt nun einen Tipp gegeben: BERLIN. Der Name der deutschen Hauptstadt ergibt sich, wenn man in Textfeld Nummer vier den 64. bis 69. Buchstaben korrekt dekodiert. Was „Berlin“ bedeutet, steht dort so: NYPVTT. Das sagte Sanborn der “New York Times“ . Und hofft, dass Kryptos-Fans ("Fans" muss man hier durchaus im Wortsinn verstehen) nun schneller zur Lösung kommen. Der letzte Teil des Rätsels gilt als der schwerste - auch deshalb, weil er so kurz ist. Der Text hat nur 97 Zeichen. Eine längere Zeichenfolge wäre einfacher zu entschlüsseln.
Der erste Textteil lautet: “Between subtle shading and the absence of light lies the nuance of iqlusion” - Sanborn hatte in das Wort “illusion” bewusst einen Fehler eingebaut, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Im zweiten Teil ist die geografische Lage des CIA-Hauptquartiers enthalten; außerdem heißt es darin: „Does Langley know about this? They should: it’s buried out there somewhere. X Who knows the exact location? Only WW.” “WW” bezieht sich auf William Webster, den früheren Chef des US-Auslandsgeheimdienstes. Der hatte von Sanborn einen Codeschlüssel für “Kryptos” bekommen.
Der dritte Teil schließlich (wieder mit einem absichtlich eingefügten Fehler) ist ein Auszug aus dem Bericht von Howard Carter, der darin schildert, wie er das Grab von Tutenchamun öffnete: “Slowly, desparatly slowly, the remains of passage debris that encumbered the lower part of the doorway was removed. With trembling hands I made a tiny breach in the upper left-hand corner. And then, widening the hole a little, I inserted the candle and peered in. The hot air escaping from the chamber caused the flame to flicker, but presently details of the room within emerged from the mist. x Can you see anything? q”
Und von sechs der insgesamt 97 Buchstaben des seit elf Jahren nicht dekodierten letzten Passage weiß man nun: Da steht „Berlin“. Der Bildhauer hat Sorge, dass er die Lösung seiner Rätsel-Skulptur nicht mehr erleben wird. Dabei hatte er gedacht, dass es schneller gehen würde. Sanborn ist 65 und möchte die Sache beschleunigen. Darum hat er inzwischen auch eine Website eingerichtet, über die man Lösungsvorschläge einreichen kann. Er könne das Geheimnis nicht mehr lange bewahren beziehungsweise bald nicht mehr lüften, meint Sanborn: „Ich bin jetzt 65. Sie werden vielleicht noch ein paar Hinweise bekommen, wenn ich 75 werden. Aber 85?“
dino/kas



