Aids-Forschung

HIV-Übergang von Tier auf Mensch entschlüsselt

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Deutsche Forscher haben erstmals herausgefunden, wie sich HIV vom Tier auf den Menschen überträgt. Ursache ist ein Protein, das die menschlichen Schutzbarrieren überwindet. Die HIV-1-Infektion des Menschen zählt zu den rund 200 bekannten Zoonosen, bei denen ein Erreger aus dem Tierreich auf den Menschen überspringen konnte.

Forscher aus Hamburg und Ulm haben ein Protein namens Vpu identifiziert, das einem bestimmten HIV- Stammes ermöglichte, sich vom Affen auf den Menschen zu übertragen. In der Fachzeitschrift „Cell Host & Microbe“ berichteten die Forscher um Frank Kirchhoff, dass sich der AIDS-Erreger HIV-1 unter anderem an bestimmte Proteine anpassen muss, die die Freisetzung neu gebildeter Viren verhindern.Die Wissenschaftler wussten bereits, dass das zelluläre Protein Tetherin eine wichtige Barriere beim Übertritt von HIV-1 auf den Menschen darstellt. Es verhindert die Freisetzung neu gebildeter Viren aus infizierten Zellen.

Eine weitere Barriere ist der CD4- Rezeptor auf der Oberfläche infizierter Zellen. Um gegen diese Barrieren anzugehen, besitzen HI-Viren der Affen das Virusprotein Vpu, das Tetherin auf menschlichen Zellen ausschalten kann. "Zusätzlich baut dieses Vpu den CD4-Rezeptor erfolgreich ab und überwindet so eine zweite Barriere“, erklärt Michael Schindler vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut.

Die Forscher vermuten, dass im Gegensatz dazu die Vpu-Proteine der anderen HIV-1-Stämme entweder nur schwache Tetherin-Gegenspieler oder nicht in der Lage sind, den CD4-Rezeptor auszuschalten. Dies könnte erklären, warum sich nur der HIV-1-M-Stamm weltweit verbreitet hat.

Die HIV-1-Infektion des Menschen gehört zu den mehr als 200 bekannten Zoonosen, bei denen ein Erreger aus dem Tierreich auf den Menschen übertreten konnte. Die meisten Übertritte von Erregern auf den Menschen scheitern an Schutzmechanismen des menschlichen Immunsystems.

( dpa/mif )