Schweinegrippe

Berlins Kinderärzte wollen kostenlos impfen

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Tanja Kotlorz und Joachim Fahrun

Foto: Marion Hunger

In Berlin ist die Impf-Aktion gegen die Schweinegrippe angelaufen - allerdings mit großen Startschwierigkeiten. Kinderärzte wollen das Impf-Chaos zumindest in ihrem Bereich beenden und erneuerten nun ihr Angebot, ohne Honorar zu impfen. Dafür wollen sie von Berlin nur Räume, Helfer und den Impfstoff. Doch der Senat hat sich noch nicht entschieden.

Die Berliner Kinder- und Jugendärzte haben dem Senat das Angebot einer kostenlosen Impfung gemacht. Die Ärzte sind bereit, chronisch kranke Kinder gegen die Schweinegrippe zu impfen, ohne ein Arzthonorar dafür zu fordern. Bisher zahlt der Senat den impfenden Ärzten 5,50 Euro für die erste Impfung und 4,50 Euro für die zweite. Die Kinderärzte haben ihr Angebot an folgende Voraussetzungen geknüpft: Der Senat stellt die Räume, den Impfstoff und Helfer zur Verfügung.

Schon vor einer Woche hatten die Kinderärzte der Senatsverwaltung für Gesundheit dieses Angebot unterbreitet, sagt Klemens Senger, Vorsitzender des Berliner Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Doch der Senat habe sich immer noch nicht entschieden. Am Mittwoch haben die Kinderärzte einen Besprechungstermin in der Senatsverwaltung für Gesundheit. „Wir können 12 Kinderärzte zur Verfügung stellen, die an zwei Tagen in der Woche in den bezirklichen Gesundheitsämtern die Risikokinder impfen“, sagt Senger.

Risikokinder seien zum Beispiel Kinder, die an Herzerkrankungen leiden oder die Stoffwechselerkrankungen haben. Nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission sollten vor allem chronisch Kranke als erste gegen die neue Influenza immunisiert werden. Senger schätzt, dass es in Berlin etwa 3000 solcher Risikokinder gibt. Erkrankten diese Kinder zusätzlich an der Schweinegrippe, drohten besonders schwere Krankheitsverläufe, sagt Kinderarzt Ulrich Fegeler.

Für Fegeler ist es „nicht erklärlich“, warum der Senat das Angebot der Kinderärzte nicht annimmt. Stattdessen herrsche in der Stadt ein Impf-Chaos. Viel zu wenige Ärzte hätten sich bislang bereit erklärt, gegen die Schweinegrippe zu impfen. Und unter den 216 Impf-Ärzten, die mit dem Senat einen Vertrag geschlossen haben, seien nur sechs Kinderärzte. In Berlin gibt es etwa 250 niedergelassene Kinderärzte. Hinzu kommt: Viele der Impfärzte hatten Anfang dieser Woche noch gar keinen Impfstoff. In den Praxen klingelten ununterbrochen die Telefone. Ärzte und Helferinnen sind genervt. Impftermine sind schon über Wochen ausgebucht.

Bei den Kinderärzten ist auch ohne die Schweinegrippe derzeit die Hölle los. „Ich habe an einem Tag 160 Kinder behandelt“, sagt Senger, der eine Kinderarztpraxis in Neukölln am Kottbusser Damm betreibt. Die Kinder hätten Infekte, Verletzungen nach Stürzen oder kämen zu anderen Impfungen und zur Vorsorge. Es sei derzeit schlichtweg nicht möglich, in den überfüllten Kinderarztpraxen auch noch gegen die neue Grippe zu impfen. Deshalb schlagen die ambulanten Kinderärzte vor, zwei Impftage in den Gesundheitsämtern für chronisch kranke Kinder einzurichten. Den Job würden sie dann sogar ohne Bezahlung leisten.

Das habe viele Vorteile, so Senger: Die Risikopatienten könnten gegen die neue Grippe geimpft werden; die Patienten müssten nicht in überfüllte Praxen kommen und der Senat habe eine klare Regelung im Impf-Durcheinander. Doch die Behörde prüft noch. „Wir sind im Gespräch, eine Lösung wird gesucht“, hieß es dazu aus der Senatsverwaltung.

"Hoffentlich bricht niemals die Pest aus"

Scharfe Kritik äußerte der Verbandsvorsitzende der Berliner Frauenärzte, Albrecht Scheffler, an der Impf-Organisation und der Informationspolitik der Senatsverwaltung. „Das geht so wild durcheinander, dass Ärzte selbst etwas hilflos davorstehen“, sagte er. „Ich kann nur hoffen, dass hier niemals die Pest ausbricht.“

Auch in der Beratung des Senats hat es gestern kritische Nachfragen an Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zur Impfaktion gegen die Schweinegrippe gegeben. „Der Start am Montag war nicht optimal“, räumte Senatssprecher Richard Meng ein. Es habe „Transportschwierigkeiten mit der Medikamentenzulieferung“ gegeben. Das habe jedoch mit der Verkehrslage zu tun gehabt. „Wir gehen davon aus, dass sich das in den nächsten zwei Tagen normalisiert“; sagte Meng.

Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Marie-Luise Dittmar, kündigte an, dass bis zum Ende der Woche alle Impf-Praxen mit Impfstoff versorgt sein würden.