Gesundheit

Jedes dritte Mädchen mit Anzeichen einer Essstörung

Die gefährlichste Form einer Essstörung ist die Magersucht: Die Mangelernährung führt zu schwersten körperlichen Komplikationen - 20 Prozent der Betroffenen sterben daran. Die Erkrankung ist nur schwer behandelbar. Eine Großangelegte Studie soll beste Therapie finden.

Foto: sm/sv_fd/dt / dpa

Fast jedes dritte Mädchen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren zeigt Anzeichen einer Essstörung. Als gefährlichste Form gilt die Magersucht, weil sie wegen der Mangel- und Fehlerernährung der Betroffenen die höchste Todesrate unter allen psychisch bedingten Erkrankungen aufweist, wie Experten des Uniklinikums Tübingen mitteilten. Mit einer groß angelegten Studie wollen die Forscher herausfinden, welche Therapie Magersüchtigen am besten helfen kann.

Magersucht oder Anorexia nervosa ist nur schwer behandelbar, lediglich 30 bis 50 Prozent der Betroffenen werden vollständig geheilt, 20 Prozent entwickeln eine chronische Form, teilweise mit schwersten körperlichen und psychischen Komplikationen, bis zu 20 Prozent sterben an den Folgen. Magersucht tritt sehr selten auf, 0,7 Prozent der Mädchen und 0,1 Prozent der Jungen leiden daran.

Als gefährdet gilt, wer einen Body-Mass-Index (BMI) von weniger als 17,5 hat. Magersüchtige senken ihr Gewicht, in dem sie kaum essen, übermäßig Sport treiben, absichtlich erbrechen sowie Appetitzügler, Entwässerungsmittel und Abführmittel einnehmen. Die Betroffenen haben große Angst vor Gewichtszunahme und eine gestörte Wahrnehmung der eigenen Figur.

Das starke Abnehmen hat zahlreiche schwere körperliche Auswirkungen. Bei Frauen bleibt die Menstruation aus, die Haut wird trocken, die Haare fallen aus, es kommt zu Veränderungen im Hormon-Haushalt, Herz-Rhythmusstörungen, einem Absinken des Blutdrucks sowie Nieren- und Magen-Darm-Problemen. Besonders gravierend sind der Mitteilung zufolge die auftretenden Veränderungen im Elektrolyt-Haushalt.

Zu den Erfolg versprechendsten Therapien gehört die kognitive Verhaltenstherapie, die auf die Normalisierung des Essverhaltens und begleitender Probleme wie mangelnder sozialer Kompetenzen oder geringe Konflikt- und Problemlösefähigkeiten zielt, wie die Wissenschaftler mitteilten. Eine andere Methode, die fokale psychodynamische Psychotherapie, konzentriert sich den Angaben zufolge unter anderem auf Beeinträchtigungen in der Emotionsverarbeitung. Die Studie mit 237 Patienten, die zehn Monate lang unter anderem 40 ambulante Einzelsitzungen absolvieren sollen, soll die Wirksamkeit der beiden Ansätze im Vergleich der üblichen Standardbehandlung zeigen. Kriterium soll die Veränderung des Gewichts sein.