Psychologie

Multitasking erhöht den Stress – nicht nur im Job

Multitasking klingt für die einen nach Effizienz und Flexibilität – für die anderen allerdings nach ungesundem Stress. Wer eine Abrechnung erstellt und gleichzeitig in einer anderen Sache telefoniert, kann sich weder auf das eine noch auf das andere konzentrieren – von der Informationsflut gar nicht zu reden.

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„Multitasking“ gilt heute als Zauberbegriff im Berufsleben. Es ist aber eine falsche Herangehensweise, ständig mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu wollen: „Multitasking funktioniert nicht“, sagte die Arbeitsmedizinerin Ulrike Roth vom TÜV Rheinland.

Das Jonglieren mit Aufgaben sei zum einen nicht effektiv: „Das Gehirn kann nicht so schnell von einer Sache auf eine andere umschalten.“ Wer zum Beispiel eine Abrechnung erstellt und nebenbei ein Telefonat führt, brauche dadurch unterm Strich länger und mache mehr Fehler als jemand, der beide Dinge nacheinander angeht. Zum anderen belaste Multitasking auch Mitarbeiter, weil es für zusätzlichen Stress sorgt, sagte Roth anlässlich des Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Denn ein Grund für ungesunden Stress im Job sei die wachsende Informationsflut im Berufsleben. „Denken Sie an einen Arbeitsplatz vor 25 Jahren. Damals sind deutlich weniger Informationen auf Mitarbeiter eingeprasselt.“ Denn es gab weder Handys noch E-Mails. Durch sie sind Beschäftigte heute stets erreichbar und werden ständig auf Trab gehalten – „dadurch sind viele auf Dauer überfordert“.

Solcher Stress im Job schlägt Beschäftigten offensichtlich zunehmend aufs Gemüt: Psychische Leiden sorgen für immer mehr Fehltage. Nach Daten des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen ist inzwischen jede zehnte Krankschreibung auf seelische Erkrankungen zurückzuführen. Vor rund 30 Jahren lag der Wert bei zwei Prozent. Um dem Stress entgegenzuwirken, sollten Beschäftigte ihre täglich Aufgabenliste lieber Punkt für Punkt abarbeiten, empfahl Roth.

Dafür müssten sie zunächst lernen, Prioritäten zu setzen und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Außerdem gehöre dazu, Dinge an andere zu delegieren, die Mitarbeiter nicht unbedingt selbst erledigen müssen. Infolge der Krise bestehe die Gefahr, dass Beschäftigte aus Angst um ihren Arbeitsplatz zu allem „Ja“ sagen und sich dabei übernehmen. „Auch einmal 'Nein' zu sagen, müssen viele erst lernen“, sagte Roth. Wenn der Chef Mitarbeitern etwas kurzfristig auf den Schreibtisch legt, sollten sie ihn daher ruhig fragen, ob dafür eine andere Aufgabe warten kann – „das muss er dann entscheiden.“

Sinnvoll sei es außerdem, häufige Ablenkungen bei der Arbeit zu vermeiden, empfahl Roth. „Wenn man an einer längeren Aufgabe sitzt, kann man ja einen Kollegen fragen, ob er das Telefon so lange übernehmen kann.“ Ebenso entlaste es, die Benachrichtigungssignale für neu eingegangene E-Mails am PC abzustellen.