Biologie

Bienen finden zu wenig Nahrung in Deutschland

Es summt seltener in Deutschland, denn es gibt immer weniger Bienen. In den vergangenen Jahren sind rund 300.000 Bienenvölker gestorben. Intensive Landwirtschaft und Parasiten machen ihnen zu schaffen. Mit fatalen Folgen auch für uns: Denn von Bienen hängt ein Drittel unserer Lebensmittelproduktion ab.

Foto: pa

Die Obstblüte ist vielerorts in vollem Gange und die Biene schwirren aus. Bis zu 300 Blüten besuchen sie am Tag. Doch Parasiten und die Intensivierung der Landwirtschaft bedrohen das Überleben der Bienenvölker. Dabei sind sie Rindern und Schweinen sind Bienen die volkswirtschaftlich wichtigsten Haustiere. Ihr Nutzen liegt dabei nicht allein in dem produzierten Honig.

Viel entscheidender ist ihre Bestäubungsleistung in der Landwirtschaft, von der ein Drittel unserer Lebensmittelproduktion abhängt. Die Umweltorganisation WWF beziffert ihren wirtschaftlichen Nutzen mit zwei Milliarden Dollar im Jahr.

In Deutschland ist der Bienenbestand in den vergangenen Jahren bereits um rund 300.000 Völker geschrumpft. Derzeit gibt es noch 750.000.

Zu den Gründen zählt die einerseits Ausbreitung der Varroa-Milbe, die die Bienen existenziell gefährdet. Die rund 1,7 Millimeter kleinen Parasiten ernähren sich vom Blut der Bienen. Sie werden von vielen Forschern für das große Bienensterben im Jahr 2003 verantwortlich gemacht, in dem rund 30 Prozent der Völker umkamen. Auch diesen Winter hätten dramatisch viele Bienen nicht überlebt, berichten Imker.

Neben der Milbe macht ihnen andererseits die Intensivierung der Landwirtschaft zu schaffen. Die lebensnotwendige Blütenvielfalt geht dadurch verloren.

Wiesen werden meist schon vor der Blüte gemäht. Blühende Unkräuter werden bekämpft, Insektizide und Pestizide schaden den Bienen.

"Die Bienen finden immer weniger Nahrung", sagt auch Imker Thomas Radetzki. Im schwäbischen Rosenfeld hat er 1986 die Vereinigung Mellifera gegründet, die sich für eine artgerechte Imkerei einsetzt. Denn die Stadtbienen sind häufig besser versorgt als ihre Verwandten vom Land. "Mittlerweile sind Großstädte das wahre Paradies für die Bienen.", erklärt Imker Erhard Maria Klein.

Linden, blühende Balkonpflanzen, Kleingärten oder Friedhofsanlagen bieten Bienen oft bessere Bedingungen als das Land. Denn der einseitige Anbau in der industrialisierten Landwirtschaft lässt kaum noch eine wilde Pflanze stehen.

Um dieser Blütenarmut entgegenzutreten hat Mellifera zusammen mit dem Deutschen Imkerbund und Naturschutzverbänden 2003 das Netzwerk "Blühende Landschaften" ins Leben gerufen.

Es fördert bundesweit verschiedene Projekte, welche die Blumen in die öffentlichen Flächen und Gärten zurückbringen.

Für Balkons und Gärten haben die Mitarbeiter des Netzwerks eine spezielle Saatgutmischung entwickelt. Sie sorgt dafür, dass die Bienen bei ihren Ausflügen am Tag wertvolle Pollen- und Nektarspender wie Rosmarin, Astern, Borretsch, Kornblume oder Wicken finden können.

Das kommt wiederum den Obst- und Gemüsesorten zugute, die ohne die Bienenbestäubung keinen Ertrag mehr liefern. "Als Imker bin ich verantwortlich für die Vielfältigkeit der Landwirtschaft", sagt Radetzki.

Auch der Imker Klein hat sich Gedanken gemacht: Er hat eine sogenannte Bienenkiste konstruiert, eine Art Imkerei für den Hausgebrauch: Diese Holzkiste ist nur einen Meter lang und einen halben Meter breit und deswegen für fast jeden Haushalt geeignet. "Jeder kann sich so eine Kiste in den Garten oder Hinterhof stellen", sagt er. Mehr als 200 Freizeitimker haben die Kiste bereits aufgestellt.

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