Hund, Katze und Co.

Haustiere in den Fängen der Gesundheitsbranche

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Unsere Gesundheitskosten explodieren: Immer weniger Erwerbstätige müssen für die Fitness von immer mehr Transferempfängern aufkommen. Eine Lösung ist nicht in Sicht für das Problem, da droht schon das nächste: Tierfutterhersteller und Gesundheitsindustrie rufen Haustiere zur Vorsorgeuntersuchung.

Ein Volk am Rollator und am Rand des Pflegenotstandes kann schon bald nicht mehr die Arztrechnung bezahlen. Das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Pflegefällen ist längst aus dem Gleichgewicht geraten.

Eine Parallelgesellschaft, mit der wir zusammenleben, könnte bald unter ähnlichen Syndromen leiden: Die Heimtier-, Veterinär- und Pharmabranchen haben die fünf Millionen Hunde und acht Millionen Katzen im Land entdeckt und wollen Rex und Miez flächendeckend zur Vorsorgeuntersuchung locken.

25 Euro ersetzt ein Tierfutterkonzern dem, der seinen Liebling im Mai zum Generalcheck beim Tierarzt bringt (bei dem wiederum jenes Futter oft zu kaufen ist).

Nun zweifeln viele Gesundheitsexperten am Sinn unserer umfassenden Humanvorsorge, beklagen, dass der Anteil der durch Routine-Checks geretteten Menschen im Promillebereich liege, aber viele unnötige Operationen eingeleitet würden. Doch dies soll die Hoffnung nicht trüben, dass sich bei den Vierbeinern irgendwas schon finden wird.

Dafür könnte eine weitere Parallelität sorgen: Auch bei den Hunden kippt die Alterspyramide, ihre Lebenserwartung ist rasant gestiegen. Bis die Tierkrankenkassen darüber klagen, ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, Altersdemenz in der Hundehütte und Inkontinenz im Körbchen ebenso. Und gegen alles gibt es Mittelchen. Für Operationen stehen längst Blutbanken für Hunde und Katzen bereit.

Auch die alte Diskussion darüber, ob Hüftgelenke auch für Greise noch lohnen, könnte neu entbrennen, denn die entsprechenden Implantate für Hunde bestehen – ohne Witz – aus Golddraht.

Es ist alles wie beim Menschen. Mit einem Unterschied: Bei Hund und Katz stehen nicht immer weniger Erwerbstätige den Pflegefällen gegenüber, sondern gar keine.