Chemie

So gehen Flecken auch ohne Wasser raus

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Wolfgang W. Merkel

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Die Bezeichnung "Trockenreinigung" wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig verwendet. Doch womit beim "Waschen ohne Wasser" wirklich gereinigt wird, wissen nur wenige. Die textilschonende Form des Waschens verdanken wir einem schusseligen Zufall in der Geschichte – und einer fleckigen Uniformjacke.

Der Lehrling von Färbermeister Jolly Belin war ein wenig schusselig. Bei der Arbeit stieß er eine Terpentinöllampe um, und das Öl ergoss sich über eine Uniformjacke. Als Belin das Öl abgetupft hatte, waren Flecken von der Uniform verschwunden. Die Legende besagt, dass so das Gewerbe der chemischen Reinigungen entstand - um das Jahr 1820 in Paris.

Was chemisch reinigen genau bedeutet, wissen nur wenige. Die Bezeichnung "Trockenreinigung" ist etwas aussagekräftiger: Reinigen ohne Wasser. Denn Wasser hat Nachteile.

Beim Waschen mit ihm quellen viele Textilfasern und geraten aus der Form. Vor allem für Kleidung mit komplexer Materialstruktur und Mischgewebe wäre das Waschen mit Wasser der Tod der Form und des Chic – etwa für Anzüge und Mäntel.

Doch man kann auch mit organischen Lösemitteln waschen, also mit flüssigen Kohlenwasserstoffen. Sie unterscheiden sich von Wasser in einer Eigenschaft, die Chemiker Polarität nennen. Gemeint ist das Phänomen, dass manche Moleküle elektrisch geladene Teilregionen enthalten - ein Ende positiv, eins negativ. Wassermoleküle sind hoch polar. Mit unpolaren Löse- und Reinigungsmitteln bleibt das Kleidungsstück in Form, Flecken gehen dennoch heraus.

Das ursprüngliche Terpentinöl wurde schon bald durch Benzol ersetzt. Dessen Dämpfe sind aber toxisch und krebserregend, weshalb die Reiniger davon bald wieder die Finger ließen und auf Benzin auswichen. Das brennt aber, die Dämpfe sind explosiv.

Schließlich fand man nicht brennbare organische Lösemittel wie Trichlormethan, Tetrachlorethan; Perchlorethylen und die Gruppe der Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Letztere sind heute aber verboten, weil sie bekanntermaßen die Ozonschicht zerstören. Bei Reinigungshinweisen findet man meist ein "P" für Perchlorethylen oder ein "F" für "feuergefährliches Schwerbenzin".

Schließlich das Neueste: flüssiges "überkritisches" Kohlendioxid (CO 2 ). Als Klimagas und "Sprudel" im Mineralwasser bekannt, lässt es sich unter normalen Umständen nicht verflüssigen. Aber unter hohem Druck und Temperaturen ab 30 Grad Celsius ist es flüssig.

So nutzt es die Industrie zum Herauslösen von Koffein aus Kaffee oder zum Entfetten von Elektronikchips. Das Besondere: CO 2 ist dann so dicht wie eine Flüssigkeit, aber superfließfähig wie ein Gas. Zudem ungiftig und unbrennbar. Ein prima Lösemittel also - auch für Flecken in Textilien.