Nicht Sonnenuntergang wird es mehr geben noch Sonnenaufgang. Wo Nacht ist, wird bitterkalte Nacht bleiben. Wo aber Tag herrscht, wird der Tag andauern. Glühend, schmelzend, rauchend.
Viel ist dieser Tage die Rede von allerlei Szenarien über die Klimaerwärmung. Hier sollen kleine Inseln verschwinden, da manch Gletscher in den Alpen und dort das Sommereis in der Arktis. Doch all dies ist nichts gegen den wahren und einzigen Weltuntergang, den der US-Forscher Jeffrey Kargel uns jetzt in der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ offenbart. Die gute Nachricht: Es soll wohl erst in eineinhalb Milliarden Jahren losgehen, noch 50 Millionen Generationen. Dann aber wird es heißen: Die Sonne lacht nicht mehr, sie kommt. Sie wird größer, bis 250 mal so groß wie heute, und heller, und heißer. Sie treibt die irdische Temperatur zunächst auf 60 bis 70 Grad.
Schon da wird das Wasser nicht nur verdampfen. Die immense UV-Strahlung dürfte obendrein die Wasserstoffatome aufspalten – und die Erde verrosten lassen. Weil sich der nun freie Sauerstoff an das Eisen im Gestein bindet und alles oxidieren lässt. Nicht „Der Blaue“, sondern „Der Rote Planet“, wird es dann heißen, falls sich hier noch jemand dahingehend äußern kann. Kargel bezweifelt das.
Schon deshalb braucht uns das, was noch später, in fünf oder sechs Milliarden Jahren passieren wird, nur mehr aus statistischen Gründen interessieren. Dass dann 2200 Grad herrschen, Magmaozeane wabern, dass abwechselnd Siliziumschnee und Eisenregen herab fällt – wenn nicht Stahlgewitter. Und dass die Schwerkraft der Sonne alle Erdrotation verbietet.
Da wird dann die Frage sein, ob die Menschheit Vorsorge getroffen hat für den rechtzeitigen Abflug. Ob die Technologie des Beamens endlich marktreif ist, ob man das Licht ein- und auch überholen kann, ob nachwachsende Raumschiffe erfunden sind.
Aus der Ferne kann man dann zusehen, wie die Sonne die Erde schluckt, laut Kargel in 7,59 Milliarden Jahren. Und trefflich darüber streiten, inwieweit der Mensch nun wieder Schuld hat.





