Chemie

Chemie und Technik sollen Leichen finden

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US-Chemiker entwickeln elektronische Spürnasen, die verschüttete Menschen orten können. Dafür werden die Gase analysiert, die Leichen überlicherweise während des Abbauprozesses freigeben. Mit den extrem empfindlichen Sensoren ist es sogar möglich, den genauen Todeszeitpunkt eines Verstorbenen zu bestimmen.

US-Chemiker sind den gasförmigen Ausdünstungen von Leichen auf der Spur und wollen mit diesen Erkenntnissen ein Gerät entwickeln, das bei Katastrophen verschüttete Menschen ortet wie ein Spürhund. Zu diesem „Geruch des Todes“ gehört ein typisches Profil, wann nach dem Tod welche chemischen Substanzen freigesetzt werden. Das hängt damit zusammen, in welcher Umgebung sich die Leiche befindet und wie lange der Zeitpunkt des Todes zurückliegt. Elektronische Spürnasen könnten damit nicht nur Spürhunde bei der Suche ersetzen, sondern vielmehr auch den genauen Todeszeitpunkt eines Verstorbenen bestimmen. Sarah Jones und Dan Sykes von der Penn State University in University Park stellten ihre ersten Ergebnisse auf dem Treffen der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft in Washington vor.


Vom Zeitpunkt des Todes an zerlegen chemische und mikrobielle Prozesse einen Organismus in seine Einzelteile. Organisches Material abbauende Lebewesen, die Saprobionten, stellen sicher, dass sich der ökologische Kreislauf schließt und andere Organismen die Einzelbestandteile der abgebauten Gewebe wieder aufnehmen können. Am Anfang des Abbauprozesses werden von einem toten Körper durch die Zerlegung von Proteinen und Aminosäuren bestimmte Gase freigesetzt. Die Chemiker untersuchten diesen Prozess nun genauer. Dafür analysierten sie mit extrem empfindlichen Sensoren alle sechs bis zwölf Stunden die chemische Umgebung von Kadavern. Dabei wurden typische Stoffe registriert, deren Verhältnis und Reihenfolge von den chemischen Reaktionen bestimmt wird.


Die Forscher wollen damit aufklären, in welcher Abfolge die Stoffe freigesetzt werden und was die Umwelt der Leiche dabei für eine Rolle spielt. Untersuchungen direkt am Menschen sind problematisch, da sich zwar Körperspender finden, deren Leichen aber meist erst nach zwei bis drei Tagen freigegeben werden. Viele der Stoffe werden aber schon vorher freigesetzt und wichtig ist ja das erstmalige Auftreten der Gase. Deshalb werden bei der Untersuchung vor allem Schweine verwendet. Bei den Tieren kann Art und Ort des Todes und Umgebung des Kadavers genau kontrolliert werden. Ihre Gewebe sind zudem den menschlichen sehr ähnlich. So können Ärzte nicht nur Organe wie Herzklappen vom Schwein zum Menschen transplantieren, sondern es spielen sich nach dem Ableben auch vergleichbare Prozesse in ihren Körpern ab.


Wenn tatsächlich ein Gerät hergestellt werden könnte, das den Duft des Todes wahrnehmen kann, könnte dieses auf vielfältige Weise eingesetzt werden. Es könnte beispielsweise Spürhunde nach Katastrophen bei der Suche nach Verschütteten unterstützen oder ersetzen. Forensiker erhoffen sich von dem Gerät eine genauere Bestimmung des Todeszeitpunktes eines Verstorbenen als mit bisher üblichen Methoden. Dies könnte bei der Aufklärung von Verbrechen und beim Aufspüren von versteckten Leichen oder Massengräbern helfen.

( ddp/gps )