Meteorologie

Wetter ist in Nachrichten wichtiger als Mord

Über bloße Informationen, ob man besser einen Schirm mitnehmen sollte oder nicht, gehen die Wetterberichte in den Nachrichten weit hinaus. Eine Anlayse der sieben wichtigsten Nachrichtensendungen zeigt den Trend. Die Panikmache in den Medien heizt auch Ängste der Bevölkerung an.

Foto: mf/tm / DPA

Seitdem der Sturm Kyrill im Januar über Deutschland hinwegfegte, dominieren die Themen Wetter und Klimawandel noch vor Fußball und Mord die Hauptnachrichtensendungen im deutschen Fernsehen. Laut einer von Media Tenor durchgeführten Medienanalyse der sieben Hauptnachrichtensendungen im deutschen Fernsehen berichteten die Nachrichtensendungen auf ARD, ZDF, RTL, Pro Sieben und Sat.1 im Zeitraum zwischen Januar und Juni 2007 über 500 Mal allgemein über das Wetter. Mit der Medienberichterstattung erhöhte sich parallel auch das Problembewusstsein in der Bevölkerung, wie Umfragen von Emnid und der Forschungsgruppe Wahlen zeigen.

Die Tatsache, dass das Thema Klimawandel an Katastrophenberichte gebunden wurde, hätte zu einer verstärkten Aufnahme dieser Thematik in den Medien geführt, sagt Petra Pansegrau, Linguistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universtität Bielefeld. "Sehr ungewöhnlich ist hier die sehr offensive Öffentlichkeitsarbeit der Klimaforscher im Vergleich zu anderen Forschungsgebieten", betont Pansegrau. Genau diesen „Katastrophismus“ kritisiert Mathias Bucksteeg von der Unternehmensberatung Prognos AG im Wirtschaftsmagazin Capital: "Kassandra-Industrie und Pop-Pessimismus senken die Fähigkeit, positive Visionen zu entwickeln, auf Null“, meint er. „Der Katastrophismus wird von Wissenschaftlern mit populären Thesen und den Prime-Time-Formaten der TV-Sender getragen."

Fakt ist, dass die Sensibilität gegenüber Klimaschutz in der Bevölkerung gestiegen ist. Im Januar 2007 hielt bei einer Emnid-Umfrage noch über die Hälfte der Befragten eine Klimakatastrophe für ausgeschlossen. Laut der Forschungsgruppe Wahlen machten sich in diesem Zeitraum nur fünf Prozent Sorgen wegen des Klimawandels. Seit Februar haben sich diese Werte markant verändert. Am 12. Juni berichtete der Spiegel, dass laut Umfragen zwei Drittel der Deutschen glauben, der Klimawandel würde zu einem bösen Ende führen. Das Sorgenbarometer der Forschungsgruppe Wahlen zeigt, dass im März nahezu 15 Prozent der Deutschen deswegen beunruhigt sind.