Psychologie

Neue Therapie gegen quälendes Grübeln

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Foto: picture-alliance / pa

Mindestens vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Depressionen: Besonders Patienten mit einer Neigung zum Grübeln sind gefährdet, sie hegen oft starke Selbstzweifel. Eine neue Therapieform soll diese Menschen nun vom Grübeln befreien und zu neuer Lebensfreude verhelfen.

Auch wenn es so scheint, als hätte man die Depression bereits überwunden, kann ständiges Grübeln zu Rückfällen führen. Denn ständiges Grübeln führt zu einer immer negativeren Sicht auf die eigene Person, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Es beeinträchtigt die Fähigkeit, angemessene Lösungen für Probleme zu finden, und es untergräbt das Selbstvertrauen und die Motivation bei der Umsetzung möglicher Lösungen. Entsprechend führt langanhaltendes Grübeln dazu, dass negative Stimmung zunimmt und länger anhält.

An der Ruhr-Universität in Bochum gibt es nun eine neue Behandlungsform, die darauf abzielt, anhaltende depressive Symptome zu vermindern und Rückfälle zu verhindern. Patienten, die sich ständig mit sich selbst auseinander setzen, werden Möglichkeiten aufgewiesen, wie sie ihre Aufmerksamkeit selbst lenken können. Man will ihnen dazu verhelfen, selbst zu entscheiden, worauf sie sich konzentrieren wollen.

Außerdem werden positive Annahmen über das Grübeln bewusst gemacht und hinterfragt, etwa die Annahme, dass Grübeln helfen würde, Probleme zu lösen. Dr. Tobias Teismann erklärt: "Wir setzen uns im Gegensatz zu anderen Therapien mehr mit dem Prozess des Grübelns selbst auseinander als mit den Inhalten der Grübelei". Er leitet die Behandlungsstudie gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrike Willutzki.

Depressionen haben viele Symptome und Begleiterscheinungen. Betroffene können kaum noch Freude oder Genuss erleben und nehmen Abstand von Familie und Freunden. Grübeln, Selbstzweifel und Schuldgefühle gehören genauso zur Depression wie Appetitmangel, Schlafstörungen, Antriebsmangel und ein ständiges Gefühl von Erschöpfung und Müdigkeit.

Bislang wurden 40 Patienten in die Behandlungsstudie aufgenommen. Erste Analysen zeigen, dass sich bei ca. 80 Prozent der behandelten Patienten die depressive Symptomatik deutlich gebessert hat. Die ersten Patienten wurden drei und sechs Monate nach Abschluss der Behandlung auf depressive Beschwerden untersucht.

Auch nach Ende der Behandlung war Stimmung und Antrieb der Patienten stabil und ihr Selbstwertgefühl immer noch gestärkt. Daneben gaben 78 Prozent der Befragten zum Therapieende und in den Nachuntersuchungen an, weniger zu grübeln. Die Mehrheit der Teilnehmer sei sehr zufrieden mit den Erfolgen.

( emm )