In Zusammenarbeit mit weiteren Zentren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Betroffene regelmäßig mit verschiedenen Duftstoffen konfrontiert. Die „Geruchsinvasion“ könnte zum einen eine verbesserte Auswertung der Duftinformation im Gehirn, zum anderen aber auch eine vermehrte Neubildung von Riechrezeptoren in der Nase bewirken.
„Es gibt erste Hinweise, dass sich das Riechvermögen verbessert“, erklärt der Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am Universitätsklinikum Jena, Orlando Guntinas- Lichius.
Die Mediziner nutzen eine Einmaligkeit der menschlichen Riechsinneszellen – ihre Regenerationsfähigkeit. Keine anderen menschlichen Nervenzellen erneuern sich ständig neu.
Die Riechgymnastik für die Studie ist denkbar einfach. Die Probanden müssen 16 Wochen lang jeweils morgens nach dem Frühstück und abends nach dem Abendbrot an vier Riechstiften schnuppern. Die Duftnoten sind angenehm – Rose, Eukalyptus, Gewürznelke und Zitrone sollen den Riechzellen wieder auf die Sprünge helfen. Das Riechtraining ist allerdings nur für Patienten gedacht, die nach Infekten der oberen Luftwege oder einer Grippe an gestörtem sowie aufgehobenem Geruchssinn leiden. Erste Ergebnisse sollen Anfang kommenden Jahres vorliegen.
Rund 80.000 Menschen jährlich erleiden Schätzungen zufolge in Deutschland eine Riechstörung. Bei den meisten von ihnen verschwindet die Störung nach einiger Zeit wieder. Anders als beim Seh- oder Hörtest beruht der Geruchstest hauptsächlich auf der Befragung der Betroffenen. Die objektive Prüfung ist schwierig. In Jena wird derzeit im Kernspintomographen getestet, wie Reaktionen des Riechhirns nachweisbar sind.
Die Ursachen einer Riechstörung sind vielfältig. Nur selten sind sie angeboren. Am häufigsten kommen die Störungen nach Virusinfektionen oder Schädelverletzungen vor. Schuld können aber auch Nasenpolypen, Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Störungen des Hormonhaushaltes oder Zahnerkrankungen sein.
Riechstörungen könnten auch auf andere Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Mangel- oder Fehlernährung sowie Parkinson hindeuten. Da das Riech- und das Gedächtniszentrum im Gehirn eng beieinander liegen, registrierten Mediziner vor dem Ausbruch der Alzheimer-Krankheit den Verlust des Geruchssinnes.
dpa/hem





