Auszeichnung

Nobelpreis sorgt fast jedes Jahr für Ärger

Ewiger Streit um die begehrteste Auszeichnung der Welt: Schon 1901 bei der ersten Nobelpreisvergabe an den deutschen Physiker Conrad Röntgen fühlte sich ein Forscher übergangen. Seitdem gab es viele Enttäuschungen und einmal sogar eine glatte Fehlentscheidung.

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Italienische Physiker sind verärgert. Ihr Kollege Nicola Cabibbo sei beim diesjährigen Nobelpreis unfair übergangen worden. Zu den Arbeiten über die Symmetrien in der Natur habe Cabibbo ebenso viel geleistet wie die Preisträger Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa. Sogar in einer mathematischen Beschreibung, der CKM-Matrix, stehe das C für Cabibbo, das K und das M für die Preisträger. In Frankreich herrscht derweil Unmut, dass nicht auch Jean-Claude Chermann mit dem Medizinpreis ausgezeichnet wurde. Und der Amerikaner Robert Gallo ist beleidigt, dass nicht er, sondern zwei Franzosen für die Entdeckung des Aids-Virus geehrt werden.


In nahezu jedem Jahr fühlen sich Wissenschaftler vom Nobelpreiskomitee übergangen. Der Ärger begann schon 1901 bei der ersten Verleihung des Physik-Nobelpreises an Conrad Röntgen. Der deutsche Philipp Lenard hatte sich – allerdings unberechtigterweise – Hoffnungen gemacht, den Preis gemeinsam mit Röntgen zu erhalten. Er blieb sein Leben lang wütend, als er leer ausging. Auch als er 1905 für Arbeiten über Kathodenstrahlen doch noch einen Nobelpreis erhielt, stimmte ihn das kaum milder.


Noch heute bewerten es viele als schweren Fehler, dass 1944 Otto Hahn als Einziger den Chemiepreis für die Spaltung schwerer Atomkerne erhielt. Der Preis hätte auch an Fritz Straßmann und vor allem an Hahns langjährige Mitarbeiterin Lise Meitner gehen müssen.

Eine glatte Fehlentscheidung war die Verleihung des Physikpreises 1974 an den Briten Antony Hewish für die Entdeckung sogenannter Pulsare, Himmelsobjekte, die in immer gleichen Zeitabständen Signale abgeben. Der Preis hätte seiner Mitarbeiterin Jocelyn Bell zugestanden, zumindest mit ihr geteilt werden müssen. Hewish selbst schrieb dazu: „Sie entdeckte ganz schnell eine von Woche zu Woche variierende Strahlungsquelle, die ich für das Flackern eines Radiosterns hielt. Aber unsere genaueren Beobachtungen zeigten dann, dass es das Signal eines Pulsars war."


Die Kürzel MR, MRT oder MRI sind heute schon fast allgemein verständlich. Die damit gemeinte Magnetresonanztomografie ist heute in der medizinischen Diagnostik weit verbreitet. Nach der Preisvergabe 2003 für diese Technik fühlte sich der Amerikaner Raymond Damadian betrogen. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen verkündete er, dass er als Erster Bilder mit der neuen Technik gemacht und das Verfahren auch veröffentlicht habe.


Dieses Jahr scheint Robert Gallo besonders schlecht weggekommen zu sein. Zur Entdeckung des Aids-Virus hat er ebenso viel beigetragen wie die Laureaten Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier. Doch nach anfänglicher kollegialer Zusammenarbeit zwischen dem Amerikaner und den Franzosen entwickelte sich ein verbissener Grabenkrieg zwischen Amerika und Frankreich. Bei solchen Auseinandersetzungen reagiert das Nobelkomitee ganz empfindlich. Und überhaupt beschränken die Statuten die Anzahl der Geehrten pro Preis auf drei.

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