Der Zustand der Weltmeere und der mit ihnen verbundenen Ökosysteme ist nach Erkenntnissen von US-Wissenschaftlern besorgniserregend - schuld ist demnach der Mensch. Rund 41 Prozent der Ozeane seien in irgendeiner Form durch menschliches Eingreifen stark geschädigt, nur 3,7 Prozent der Gewässer noch unberührt, heißt es in der ersten Studie zum Einfluss des Menschen auf die Meeres-Ökosysteme weltweit.

Die Forschungsergebnisse zeigten, dass die Folgen menschlicher Aktivitäten auf die Ökosysteme „viel verhängnisvoller“ seien als angenommen, sagte einer der Hauptautoren, Ben Halpern von der Universität von Kalifornien. „Das war eine Überraschung“, fügte er hinzu.


Am stärksten betroffen sind der Studie zufolge unter anderem die Nordsee, der Süden und der Osten des Chinesischen Meeres, die nordamerikanische Ostküste, das Mittelmeer und der Persische Golf. Am besten erhalten dagegen seien die Ökosysteme am Nord- und Südpol - auch, weil die dicken Eisschichten dort das ganze Jahr über oder wenigstens einige Monate lang Menschen fernhielten. „Leider verschwinden mit der Erderwärmung aber die Eiskappen an den Polen, und menschliche Aktivitäten weiten sich auch in diese Gebiete aus - deshalb droht auch diesen relativ unberührten Ökosystemen die Zerstörung“, warnte Co-Autorin Carrie Kappel vom Nationalen Zentrum für Ökologische Analyse und Synthese in den USA.

Den größten Schaden richtet demnach der Klimawandel an, der nach Erkenntnissen des Weltklimarats weitgehend vom Menschen verursacht wird: Unter anderem wurde der US-Studie zufolge zwischen 1995 und 2005 ein deutlicher Anstieg der Wassertemperatur im Nordatlantik festgestellt, der mit dem Fortschreiten der Erderwärmung künftig auch in anderen Gewässern in unterschiedlichem Ausmaß festzustellen sein dürfte. Eine Wassererwärmung fördert das Planktonwachstum, was wiederum Auswirkung auf andere Tier- und Pflanzenarten unter Wasser hat. Zuviel Plankton führe zudem zu höheren Krankheitsraten bei anderen Arten, sagte Co-Autorin Kim Selkoe von der Universität Hawaii.

Zugleich werde das Meerwasser saurer, weil die Ozeane durch den vom Menschen verursachten CO 2 -Anstieg immer größere Mengen des Treibhausgases absorbieren müssten. Wasserpflanzen litten unter dem Anstieg der ultravioletten Strahlung - die ihrerseits eine Folge des Klimawandels ist.

Direkten Einfluss auf die Meeres-Ökosysteme nimmt der Mensch mit der Fischerei: „In achtzig Prozent der Weltmeere wird gefischt“, betonte Selkoe. Dies habe sie selbst überrascht: „Die Fische können sich nirgends mehr zurückziehen... Fischerboote sind wirklich überall.“ Auch der Schiffsverkehr insgesamt bedrohe das Leben im Meer. Schiffsdiesel verseuche das Wasser, der Lärm der Motoren störe die Wale, betonte Selkoe. Die Schiffsrouten von besonders sensiblen Gebieten wie etwa Korallenriffen wegzuleiten, könne die negativen Auswirkungen auf die Ökosysteme bereits deutlich verringern.

Die Studie, an der sich verschiedene Universitäts-Forschungszentren, Nichtregierungsorganisationen und US-Behörden beteiligten, erscheint in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science“.

AFP/OC