Fische geben große Mengen Kalk von sich und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zum marinen Kohlenstoffzyklus, schreiben Forscher in „Science“. Sie schätzen, dass bis zu 15 Prozent des Kalziumcarbonats in den Weltmeeren von Fischen stammen könnte. Der Stoff ist ein wichtiger Regulator für den Säuregrad des Meerwassers – der langsam und stetig steigt.
Die Studie beruht auf der Erkenntnis, dass 90 Prozent aller marinen Fischarten in ihrem Verdauungstrakt Calciumcarbonate herstellen und ausscheiden. Die Wissenschaftler um Rod Wilson von der britischen Universität Exeter vermuteten, dass Fische ein unterschätzter Faktor im marinen Kohlenstoffzyklus sein könnten. Mit zwei Computermodellen schätzten sie, wie viel Kalk alle Fische der Meere ausscheiden. „Unsere vorsichtigsten Schätzungen deuten darauf hin, dass drei bis 15 Prozent des Kalziumcarbonats in den Ozeanen von den Fischen stammen“, erklärt Wilson, „aber dieser Wert könnte auch bis zu dreimal höher sein."
Bisher galten winzige Lebewesen im Wasser – das Plankton – als der Hauptproduzent von Kalk im Wasser. Bereits Anfang der Neunzigerjahre stellte ein Forscherteam um den Meeresbiologen Patrick Walsh die These auf, dass auch Fische einen wichtigen Beitrag zum Kohlenstoffzyklus der Meere leisten könnten. Doch die Idee wurde kaum beachtet. Dabei ist längst bekannt, dass die Tiere Kalziumcarbonate bilden: Sie trinken Meerwasser, um ihren Wasserhaushalt aufrechtzuerhalten. Dabei nehmen sie große Mengen Kalzium auf, die sie im Darm in einen festen Stoff, nämlich Kalziumcarbonat, umwandeln.
Angesicht des Klimawandels könnte dieser Mechanismus bald eine noch wichtigere Rolle im Kohlenstoffzyklus der Meere spielen, glauben die Forscher. Denn das Klimagas CO*, das wir in großen Mengen in die Atmosphäre blasen, löst sich im Oberflächenwasser der Meere und macht es saurer. „Der pH-Wert des Meerwassers liegt derzeit bei 8,1 und könnte in Zukunft auf 7,4 sinken“, sagt Frank Millero, Co-Autor der Studie. „Der sinkende pH-Wert kann das Wachstum von Korallenriffen verlangsamen. Wenn er tief genug sinkt, kann sich das Kalziumcarbonat in Riffen und Sedimenten sogar auflösen."
Der „puffernde“ Effekt von Kalziumcarbonaten auf den Säuregrad der Meere wird also in Zukunft wichtiger denn je sein. Und die Rolle der Fische als Kohlendioxid-Absorber und beim Klimawandel dürfte wichtiger werden, vermuten die Wissenschaftler: Die Kombination aus steigenden Temperaturen und höheren Kohlendioxid-Konzentrationen in der Atmosphäre sollte ihrer Meinung nach die Kalk-Produktion der Fische ankurbeln.
„Wir haben gerade erst an der Oberfläche des Ganzen gekratzt“, meint Rod Wilson. „Angesichts der Besorgnis über die Übersäuerung der Meere durch Kohlendioxid ist es wichtiger denn je, dass wir verstehen, wie die pH-Balance des Meerwassers aufrechterhalten wird. Deshalb ist es entscheidend, auf den Studien aufzubauen, um die Prozesse besser zu verstehen.“
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