Eine Analyse von vergangenen Eisschmelzen in der Antarktis soll neue Aufschlüsse über die möglichen Folgen der heutigen Erderwärmung bringen. Schon vor fünf Millionen und dann noch einmal vor drei Millionen Jahren kollabierte Wissenschaftlern zufolge die Eisschicht in der westlichen Antarktis.
Damals stieg der Meeresspiegel weltweit um etwa fünf Meter, wie Geländeproben und Computermodelle belegen. Die Ergebnisse der Studien wurden in der renommierten Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht.
Heute zeichne sich eine ähnliche Entwicklung ab wie in den analysierten Phasen der Vergangenheit, erklärte Tim Naish vom Antarktis-Forschungszentrum der neuseeländischen Victoria-Universität. Man hoffe allerdings, dass die westliche Eisschicht nicht ganz so schnell abschmelze wie damals. Demnach könnte sich der Prozess eventuell bis zu 1.000 Jahre hinziehen.
Für ein totales Abschmelzen müsste sich die Erde um etwa fünf Grad Celsius erwärmen. Allerdings halten Wissenschaftler einen solchen Temperaturanstieg schon bis 2100 für möglich.
Schon 2100 kein Eis mehr auf dem Nordpolarmeer
Mit Blick auf die weiter steigenden Temperaturen am Südpol zeichnen US-Forscher dagegen ein düsteres Bild: Demnach soll die Arktis bis zum Ende dieses Jahrhunderts alljährlich im September völlig eisfrei sein. Das berichtet Julien Boé von der Universität von Kalifornien in Los Angeles in der Online-Ausgabe des Fachjournals „Nature Geoscience“.
Boé und seine Mitarbeiter untersuchten eine Reihe von Simulationen der Eisfläche auf der Basis von 18 verschiedenen Klimamodellen. Dabei fanden sie eine gute Übereinstimmung mit dem beobachteten Rückgang des arktischen Meereises. Von 1979 bis 2006 habe sich das Eis im Nordpolargebiet bereits um fast 25 Prozent verringert – gemessen jeweils im September.
Unter zusätzlicher Berücksichtigung neuer Satellitendaten zieht Boé den Schluss, dass schon am Ende des Jahrhunderts mit dem vollständigen Verlust des Eises im Polarmeer im September gerechnet werden muss. Bisherige Berechnungen hätten die Geschwindigkeit, mit der das Eis verschwindet, deutlich unterschätzt, schreibt der Wissenschaftler.
Die Eisfläche der Arktis schwankt natürlicherweise im Jahresverlauf. Die Tiefpunkte liegen jeweils im September.
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ap/dpa/oc


