In Deutschland gibt es derzeit noch zehn offene Verdachtsfälle von Schweinegrippe. Die Zahl der bestätigten Fälle liege nach wie vor bei acht, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker. Den Patienten gehe es gut. Es gebe aber noch keinen Grund zur Entwarnung. „Wir müssen auch in Deutschland mit weiteren Fällen rechnen“, so Hacker. Die internationale Situation und die weitere Ausbreitung des Virus müsse beobachtet werden.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben inzwischen weltweit 20 Länder positive Fälle gemeldet. Zuletzt lag die Zahl bei mehr als 900, mit steigender Tendenz. Sorge bereitet laut Hacker auch die große Wandelbarkeit im Erbgut des Virus A/H1N1. Es müsse damit gerechnet werden, dass sich das Virus möglicherweise weiter verändern und zum Beispiel stärker krankmachen könnte als derzeit. Dies sei noch Spekulation, die Gefahr müsse aber ernstgenommen werden, sagte der RKI-Chef. Wann die Krankheitswelle abebben wird, kann Hacker zufolge nicht seriös vorhergesagt werden. WHO-Chefin Margaret Chan hatte zuvor vor einer zweiten, möglicherweise heftigeren Welle der Schweinegrippe gewarnt.
Die Erbsubstanz des Schweinegrippe-Virus steht kurz vor der Entschlüsselung. Die Informationen würden in den kommenden Tagen erwartet, sagte Hacker. Dafür seien international erste Virusisolate angezüchtet worden, unter anderem auch im Marburger BSL-4-Hochsicherheitslabor. Dies sei sowohl für die Bestimmung sowie die Impfstoffproduktion wichtig. Bislang wisse man noch „relativ wenig“ über das A/H1N1-Virus.
Nach der Übertragung der Schweinegrippe durch einen Menschen auf einen Schweinebestand in Kanada warnt das Friedrich-Loeffler-Institut vor möglichen Infektionen von Schweinen durch infizierte Personen in Deutschland. Um eine Infektion der Tiere und möglicherweise auch eine Vermischung mit anderen Viren zu verhindern, dürften Betriebsfremde sowie Personen mit Ansteckungsverdacht nicht die Ställe betreten, sagte Instituts-Präsident Thomas Mettenleiter. Die Einhaltung der Betriebshygiene bleibe oberstes Gebot. Es müsse verhindert werden, dass sich in den Schweinebeständen ein Reservoir für diese Viren etabliere.
AFP/ddp/cl





