Geologische Spuren bezeugen, dass vor allem in der Erdfrühzeit ein wahrhaftes Massenbombardement stattgefunden hat. Die Zahl der von der Erdgravitation eingefangenen Himmelskörper hat seither zwar stark abgenommen, aber die Gefahr ist weiter real, dass ein sogenanntes Near Earth Object (NEO) unseren Planeten rammen könnte. "Das Thema ist von der esoterischen Diskussion zu einem Gespräch über ein reales Ereignis geworden", sagt Russell Schweickart, Gründer des Astronautenverbandes Association of Space Explorers (ASE) mit Sitz in Houston (Texas).
Der ehemalige Apollo-9-Astronaut hat nun auf der Tagung der US-amerikanischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) in San Francisco einen Entwurf für einen UN-Vertrag angekündigt. Eine Expertengruppe aus Wissenschaftlern, Juristen und Diplomaten arbeite ihn derzeit aus. "Wir wissen, wie wir einen Asteroiden ablenken können. Die Frage ist aber, wer die Verantwortung dafür übernimmt", sagte Schweickart.
Die Technik zum Schutz der Erde sei das eine, das andere ein Prozedere, das die Zuständigkeiten regelt und Konflikte durchkämpft. Eine Sitzung der Expertengruppe soll im Mai dieses Jahres in Straßburg stattfinden. Zu ihr gehört unter anderen der renommierte britische Astronom Martin Rees, Präsident der britischen Royal Society. Die ASE hofft, den UN bis 2009 einen abstimmungswürdigen Entwurf zukommen zu lassen.
Entscheidungen zur Abwehr von Meteoriten könnten nur von den UN getroffen werden, so Schweickart, denn die Maßnahmen seien konfliktträchtig. Wenn etwa ein Himmelskörper gesprengt oder abgelenkt werde und der Versuch nicht gänzlich gelinge, könnten bestimmte Weltregionen stärker gefährdet werden als andere; möglicherweise sogar stärker, als wenn gar nichts unternommen worden wäre. Wie können solche Fälle entschieden werden, fragt die ASE.
Im Moment beobachtet die US-Raumfahrtagentur Nasa Objekte, die mehr als 700 Meter im Durchmesser groß sind. Ziel ist es, auch noch 70 Meter große Brocken zu identifizieren. Sie alle könnten mit einer Rakete oder Sonde angeflogen und durch deren Einschlag zertrümmert werden. Auch der Einsatz atomarer Sprengkörper ist denkbar. Selbst wenn das NEO nicht vollständig zerbricht - es reicht schon, wenn es ein wenig aus seiner Bahn gelenkt wird und dann, ohne Schaden anzurichten, wieder in den Weiten des Kosmos verschwindet.
Ein anderer Vorschlag sieht das Andocken einer Sonde am Asteroiden vor. Dann könnte dessen Kurs mithilfe des Sondentriebwerks leicht verändert werden. Auch ein riesiges Sonnensegel würde einen Asteroiden aus seiner Richtung drängen: Es würde den Partikelstrom der Sonne einfangen, der Meteorit bekäme so einen ablenkenden Impuls. Allerdings müsste das Segel sehr früh installiert werden, damit der Impuls ausreichend groß ausfällt. Kleine Raumschiffe könnten die Flugbahn eines Asteroiden allein schon durch ihre Schwerkraft ändern. "Ein kleines Schleppschiff kann einen Flugzeugträger in Bewegung setzen, wenn es nur lange genug zieht", sagt Nasa-Forscher Lu Edwards.


