Nobelpreis für Chemie

Ertl erklärt die Zerstörung der Ozonschicht

Fast zwanzig Jahre war kein deutscher Chemiker mehr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Jetzt schaffte es der Berliner Forscher Gerhard Ertl. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten stehen die Ozonschicht, der Katalysator und Dünger.

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Für seine bahnbrechende Grundlagenforschung im Bereich der Oberflächenchemie hat der deutsche Wissenschaftler Gerhard Ertl den diesjährigen Chemie-Nobelpreis erhalten. Der Physiker wird für seine Arbeiten ausgezeichnet, die es unter anderem ermöglichten, die Zerstörung der Ozonschicht besser zu verstehen, wie das Nobelkomitee in Stockholm am Mittwoch mitteilte. Seine Studien hätten auch zum Verständnis dafür beigetragen, wie Katalysatoren in Kraftfahrzeugen sowie Brennstoffzellen funktionieren und warum Eisen Rost ansetzt.

„Oberflächenchemie kann sogar die Zerstörung der Ozonschicht erklären, da wesentliche Schritte der Reaktion auf den Oberflächen kleiner Eiskristalle in der Stratosphäre stattfinden“, erklärte das Nobelpreiskomitee in seiner Begründung. Ertl sei es gelungen, den Ablauf mehrerer wichtiger chemischer Reaktionen auf Oberflächen im Detail zu beschreiben. Damit habe er die Grundlagen für die moderne Oberflächenchemie geschaffen und eine experimentelle Schule begründet. Ertl ist der erste deutsche Chemie-Nobelpreisträger seit 1988. Damals teilten sich Johann Deisenhofer, Robert Huber und Hartmut Michel die Ehrung.

Ausgerechnet zum Geburtstag

Ertl, der am Mittwoch 71 Jahre alt wurde, sagte in Berlin, er sei sprachlos. Er habe mit dieser Ehrung nicht gerechnet. Zwar sei ihm bewusst gewesen, dass er zu den Kandidaten gehört habe, trotzdem habe es ihm die Sprache verschlagen. Immerhin habe er vom Preiskomitee 20 Minuten Zeit bekommen, sich zu sammeln und sich auf den Presseansturm einzustellen. Jetzt klingele das Telefon ohne Unterlass. Alle seine Mitarbeiter hätten sich auf dem Gang vor seinem Büro versammelt, um mit ihm mit Sekt auf den Nobelpreis anzustoßen.

Chemische Reaktionen auf katalytischen Oberflächen spielen in vielen industriellen Anwendungen eine große Rolle: vom Kunstdünger bis hin zur Abgasreinigung. Auch die Halbleiter-Branche nutze bei der Herstellung von Computer-Chips viele Ergebnisse der Oberflächenchemie, erklärte das Komitee. „Gerhard Ertl ist einer der ersten, der das Potenzial dieser neuen Techniken erkannte.“

Katalysatoren und Dünger

Diese Forschung erfordert komplexe Vakuum-Geräte: Es geht es darum herauszufinden, wie sich die Schichten einzelner Atome und Moleküle auf völlig reinen Metalloberflächen verhalten. Dazu sei größte Präzision nötig, hieß es in Stockholm. Eine Anwendung dieser Technik, die zum Teil auf dem sogenannten Haber-Bosch-Verfahren basiert, ist die Untersuchung der Oxidation von Karbonmonoxid auf Platin. Genau das passiert zur Abgasreinigung in Auto-Katalysatoren.

Mit seiner Methoden klärte Ertl auch eine der wichtigsten chemischen Reaktionen überhaupt: Die Reaktion von Stickstoff mit Wasserstoff zu Ammoniak, um Dünger zu produzieren.

Ertl ist emeritierter Direktor des Fritz Haber Instituts für physikalische Chemie der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Er leitete das Institut von 1986 bis 2004, zuvor lehrte er in Kalifornien und lange Jahre an der Technischen Universität München.

Am Dienstag war bereits der Deutsche Peter Grünberg mit dem Nobelpreis für Physik geehrt worden; er teilt sich die Auszeichnung mit dem Franzosen Albert Fert für bahnbrechende Arbeit zur Steigerung der Leistungsfähigkeit von Computer-Festplatten.